Freitag, Oktober 08, 2004

ebay - ending a never ending story

3,2,1, und nicht mehr meins. Hab heute Post von nem Inkasso Unternehmen bekommen. eBay hätte gerne die Kosten, die coorale@freemail-Anbieter.de beim Verkauf der Rucksäcke verursacht hat, erstattet bekommen. 

Und an wen wendet sich das Inkasso-Unternehmen? Ist doch klar: an denjenigen, den eBay als Postadresse hat. Der Spaß beläuft sich 122,05 Euro. Dass ich kreditwürdig bin, weiss eBay von der SCHUFA. Die haben laut mir vorliegendem Auszug am 11. September 2003, am 4. Februar 2004 und am 24. Februar 2004 meine Identität auf Anfrage von eBay bestätigt. 

Das ist mir ne tolle Sicherheits-Truppe, die dreimal die gleiche Prüfung durchlaufen lässt ohne was zu merken. Seufzend schreib ich ne E-Mail an eBay. Pro forma. Dass meine persönlichen Daten nun schon zum dritten mal bei eBay missbraucht wurden. Und bekomme drei Tage später einen Fragebogen zurück.

Ich werd´ die Truppe für den nächsten Comic-Award im Web vorschlagen. Da Inkasso-Unternehmen aber eher selten Spaß verstehen, nehme ich mir jetzt doch einen Anwalt. Wer sagt eigentlich, dass man in Deutschland nicht auf entgangene Lebensqualität klagen kann, nur weil die größte Online-Plattform mega-schlampig mit Kundendaten arbeitet?

Donnerstag, Oktober 07, 2004

ebay - to be continued

Es ist Sonntag, der 7. März 2004. Habe gestern zwei wütende Anrufe von eBay Kunden bekommen. Wann ich endlich die Eastpack-Rucksäcke liefere, für die sie gezahlt hätten. Unter der E-Mail Adresse coorale@freemail-Anbieter.de würden Rucksäcke in verschiedenen Farben günstig versteigert. Ich versuche den Leuten klar zu machen, dass mir diese E-Mail Adresse nicht gehört. Und jemand meine Postadresse und meine Identität zu Betrugszwecken bei eBay missbraucht.

Leicht angenervt melde ich den Vorfall bei eBay. Prompt erhalte ich das mir schon bekannte Formblatt "Mitteilung über ein Problem mit dem Schutz von Mitgliedsdaten“ verbunden mit der Bitte: „Nennen Sie bei Ihren Anfragen auch immer Ihren Mitgliedsnamen, die der Beteiligten und die Artikelnummer, zu der Sie eine Frage haben. Fuer Ihre Bemuehungen bedanken wir uns recht herzlich. Mit freundlichen Gruessen, eBay-Sicherheit.“ 

Wie schön war es doch früher, zu Beginn des Internets, als man Irritationen problemlos mit Mailbomben ausräumen konnte. Heute ist man leider gezwungen, zivilisierten E-Mail Verkehr zu pflegen. Wo habe ich nur den verflixten E-Mail Schriftverkehr mit eBay vom vergangenen Jahr? 

Diesmal antwortet eBay prompt: „Hallo, vielen Dank fuer Ihre E-Mail. Wir werden das von Ihnen genannte Mitglied genau ueberpruefen und entsprechende Massnahmen ergreifen. Diese Massnahmen koennen aus einem freundlichen Hinweis (bei augenscheinlichen Missverstaendnissen) ueber eine Verwarnung bis hin zum Ausschluss vom Handel auf eBay bestehen, sind also fuer Aussenstehende nicht immer ersichtlich. Datenschutzrechtliche Bestimmungen verbieten uns, naehere Auskuenfte ueber das Ausmass der ergriffenen Massnahmen zu geben. Die Sicherheit und Verlaesslichkeit bei eBay nehmen wir sehr ernst. Daher ueberpruefen wir unsere Mitglieder regelmaessig und sehr genau. Wir danken Ihnen fuer Ihren Hinweis, weil dadurch Ihr Bemuehen, einen Beitrag zur Verbesserung der Sicherheit und Transparenz bei eBay zu leisten, zum Ausdruck kommt und wuenschen Ihnen weiterhin viel Spass und Erfolg beim Handeln bei eBay. Mit freundlichen Gruessen, eBay-Sicherheit." 

Irgendwie fühle ich mich nicht so wirklich ernst genommen. Ich schreibe der eBay-Sicherheit, dass das ein Skandal ist und ich jetzt rechtliche Schritte einleite. 

eBay antwortet am nächsten Tag: „Sehr geehrte Frau … Bitte beachten Sie, dass beim Verkauf oder Kauf ueber das Internet Risiken bestehen, die in der Natur des Mediums liegen. Da die Identifizierung von Nutzern im Internet schwierig ist, kann eBay nicht zusichern, dass jeder Nutzer derjenige ist, fuer den er sich ausgibt. Mit freundlichen Gruessen eBay-Sicherheit." 

 Beruhigend zu wissen, dass eBay weiss, dass es Identitätsmissbrauch im Internet gibt. Nicht gut zu wissen, dass Identitätsmissbrauch bei eBay so easy funktioniert. Seit dem 5.November 2002 geht zwar jede Neuanmeldung bei eBay mit einer Überprüfung der persönlichen Angaben, wie Vor- und Nachnamen, Straße und Hausnummer, Postleitzahl und Ort sowie Geburtsdatum durch die SCHUFA einher. Die geben allerdings keine Auskunft über die Kreditwürdigkeit oder die finanzielle Situation des neuen Mitglieds, sondern bestätigen nur dessen Identität und die Adresse. 

Wo wohnt eigentlich Roland Koch? Wann der geboren ist und wo er wohnt steht ja im Internet. Und kreditwürdig dürfte der ja wohl noch sein, oder? Ich träume von 100.000 Ostereiern, die bei eBay seiner harren. Ich geh den Weg, der mir am sinnvollsten erscheint und erstatte am nächsten Morgen Anzeige bei der Kripo Frankfurt, Abt. Wirtschaftskriminalität. Wer hätte je geahnt, dass wir mal dicke Freunde werden.

Zu dem Zeitpunkt wusste ich nicht, dass am 12. Februar 2004 das Amtsgericht Potsdam unter dem Aktenzeichen 22 C 70/04 in einem ähnlichen Fall eine einstweilige Verfügung gegen eBay erlassen hatte. Darin wurde dem Auktionshaus unter Androhung eines Ordnungsgeldes in Höhe von bis zu Euro 250.000 oder ersatzweise Ordnungshaft von bis zu 6 Monaten für jeden Fall der Zuwiderhandlung verboten, Teilnehmer unter der Identität des Antragstellers zum Handel auf der Internetplattform zu registrieren. 

 Am nächsten Sonntag, den 14. März, bekomme ich E-Post von eBay: „Hallo Frau … vielen Dank fuer Ihre E-Mail. Wie wir Ihnen bereits mitgeteilt haben, beachten Sie bitte, das bei der Nutzung des Internet Risiken bestehen, die in der Natur des Mediums liegen, solange persoenliche Daten oeffentlich zugaenglich sind (z.B. Telefonbuch). Die Sicherheit und Verlaesslichkeit bei eBay nehmen wir aber sehr ernst. Daher ueberpruefen wir unsere Mitglieder regelmaessig und sehr genau. Falls es notwendig sein sollte, dass bzgl. Ihres Anliegens polizeiliche Ermittlungen vorgenommen werden, wird eBay mit den Polizeibehoerden zusammenarbeiten und diese bei ihren Ermittlungen unterstuetzen. Wir werden gern und jederzeit auf Ihre Anfrage hin ueberpruefen, ob eine erneute Anmeldung mit Ihren Adressdaten erfolgt ist. Bitte haben Sie Verstaendnis dafuer, dass wir keine individuelle Rechtsberatung durchfuehren duerfen, da die gesetzlichen Bestimmungen dieses nicht gestatten. Dazu muessten Sie sich gegebenenfalls an einen Rechtsanwalt oder auch an eine Rechtsberatungsstelle wenden. Wir wuenschen Ihnen noch einen schoenen Sonntag. Mit freundlichen Gruessen eBay-Sicherheit.“ 

 Ich hab damals nen dicken Hals bekommen. Und das lag sicher nicht an der fetten Bronchitis, mit der ich mich seit einigen Tagen rumplagte. eBay ist ne echte Tralala-Truppe. 

Im Mai 2004 rief mich die Kripo Frankfurt an. Auf die Jungs ist echt voll Verlass. Der Typ, der freundlicherweise Rucksäcke für mich versteigert hat, wurde ermittelt. Da er in Bayern wohnt, wurde der Fall am 18. Mai 2004 an die Kripo Regensburg überwiesen. Damit, so dachte ich in meiner Naivität, hätte sich der Fall endgültig erledigt. Doch so einfach entkommt man eBay nicht.

Mittwoch, Oktober 06, 2004

ebay - Komisches Drama in drei Akten

Kennen Sie eBay? Die im Fernsehen so nett mit "3, 2, 1, meins" werben. Hatte heute ein grandioses deja vu mit dieser Online-Plattform. Warum? Dafür muss ich etwas ausholen und in meine nähere Vergangenheit zurückkehren. Zum 14. März 2003, einem Freitag. Da begann der erste Akt. 

Als mich morgens um 7.00 Uhr ein Typ, nennen wir ihn mal Traktor-Peter, ziemlich erbost per Telefon aus dem Bett holte und fragte, wann ich endlich das Geld fürs Motorrad überweisen werde. Nach überraschtem Hin- und Her wurde klar, dass ein Spassvogel mit gefakten Nick und einer E-Mail Adresse bei einem Freemail-Anbieter bei eBay mit meiner Postadresse mitgeboten hatte. Ich war - ohne es auch nur entferntest zu ahnen - über Nacht stolze Besitzerin einer kanariengelben Cagiva Mito 2 geworden. Für satte 3400.- Euro. Nachdem sich mein Adrenalinpegel wieder im kontrollierten Bereich bewegte, hab ich mich bei eBay per E-Mail über den Identitätsmissbrauch beschwert. Und bin nach Feierabend zur Polizeiwache 5 in der Hanauer Landstrasse gegangen, um auch im realen Leben Anzeige zu erstatten. 

Die beiden Polizisten dort reagierten echt knuffig und haben mich wie folgt belehrt:

  1.  Da kein erkennbarer Schaden entstanden sei, könne ich auch keine Anzeige erstatten. 
  2. Meine Postadresse steht sicher in öffentlichen Verzeichnissen, wie z.B. einem Telefonbuch. Da könne man nix machen oder "Bekommen Sie keine Postwurfsendungen und fragen sich, woher der Ihre Adresse hat?" 
  3. Eigentlich hätten sie auch nicht wirklich Ahnung von der Materie, da ihre Wache nicht ans Internet angeschlossen sei und ihnen die Erfahrung fehle, ob solche Anzeigen wirklich Sinn machen. Sie seien schon seit fast 30 Jahren hier und würden sicher auch noch den Rest ihrer Dienstzeit ohne diesen elektronischen Kram absitzen.
  4. Wenn ich allerdings im hier und jetzt auf die Anzeige bestünde, müssten sie mich mindestens 1 1/2 Stunden vernehmen. Um zu begreifen, worum es sich konkret handelt. Bevor sie ein Protokoll verfassten, was ihr Vorgesetzter nicht verstünde.
  5. Noch besser sei allerdings, am nächsten Montag mit der Abteilung Wirtschaftskriminalität im Frankfurter Polizeipräsidium zu telefonieren. Die Kollegen dort könnten sicher besser beurteilen, ob so eine Anzeige angenommen würde. 

Zum Abschluss gab es dann den aufmunternden Ratschlag, dass Frauen, die sich in so dubiosen Welten rumtreiben, nicht wirklich wundern müssten, wenn ihnen so was passiert. Hallo? Ist das die Frage: „Wie kurz war gestern abend Ihr Rock, als Sie ins Internet gingen?“ 

Beim Hinausgehen überlege ich, ob ich von der Wache 5 mit meiner Digital nicht mal ein paar hübsche Fotos anfertige und den Laden samt Personal am Wochenende bei eBay zur Versteigerung anbiete. Aus pädagogischen Gründen.

Bei den Websozis bekomme ich Trost. Der Vorschlag, einfach mal auf die Adresse von Roland Koch 20.000 Euro für'n faules Ei zu bieten, erheitert mich. Ich liebe meine virtuelle Welten. Man sollte die Verdienste Roland Kochs für diesen gelungenen Beitrag zum Thema „Innere Sicherheit in Hessen“ doch irgendwie angemessen würdigen. Zu dem Zeitpunkt wusste ich allerdings noch nicht, dass die Kriminalitäts-Statistik für Frankfurt Wachstumsraten von 12,5 Prozent für das Jahr 2003 verzeichnen würde. Möcht´ net wissen, wie viele Anzeigen durch kompetentes Polizei-Personal abgewimmelt wurden. 

Am 15. März meldet sich dann auch das eBay Germany Team mit salbungsvollen Worten: „Liebes eBay-Mitglied, vielen Dank fuer Ihre Mitteilung. Wir bedauern, erst jetzt auf Ihre Anfrage reagieren zu koennen. Leider verzoegert sich aufgrund einer derzeit hohen Anzahl von Anfragen deren Beantwortung. Bei den Reaktionen auf die schon beantworteten E-Mails haben wir festgestellt, dass sich bei vielen, die sich an uns gewandt hatten, die Beantwortung inzwischen erledigt hat. Sollte die von Ihnen gemeldete Problematik nach wie vor bestehen, moechten wir Sie bitten, uns nochmals eine kurze Mitteilung von Ihrer bei uns registrierten E-Mail-Adresse zu senden. Bitte nutzen Sie dazu die Antwortfunktion Ihres E-Mail-Programmes. Sie können aber auch selbst versuchen, noch einmal Kontakt mit Ihrem Handelspartner aufzunehmen und die Angelegenheit direkt zu klaeren. Hier koennen Sie die Adresse Ihres Handelspartners anfordern: http://blablabla.dll. Fuer den Fall, dass sich die Schwierigkeiten bereits geklaert haben, freuen wir uns fuer Sie und Ihren Handelspartner. Wir hoffen, Sie sehen uns nach, dass wir nicht - wie Sie es von uns gewohnt sind - sofort fuer Sie da waren. Wir wuenschen Ihnen weiterhin viel Spass beim Handel bei eBay und danken herzlich fuer Ihr Verstaendnis. Mit freundlichen Gruessen, Ihr eBay-Sicherheitsteam“

Lustiger Standardtext. Wusste gar nicht, dass eBay so ein relaxtes Verhältnis zum Thema Identitätsmissbrauch pflegt. Vielleicht erledigt sich vieles in diesem Leben einfach durch Aussitzen? Mein Glaube an den Rechtsstaat wurde am 17. März von der Kripo Frankfurt, Abt. Wirtschaftskriminalität dann doch wieder hergestellt. Ich konnte Anzeige erstatten, sogar per E-Mail. Die Jungs wollten den gesamten Schriftverkehr haben, da es um Betrug und mindestens mal Urkundenfälschung ginge.

Das Ende des ersten Aktes ist dann schnell erzählt. Im Juli 2003 habe ich von der Frankfurter Kripo Post bekommen. Der Typ, der die Cagiva für mich ersteigert hatte, wurde ermittelt. Im Dezember 2003 stellte die Staatsanwaltschaft Bad Kreuznach das Verfahren dann mit der Begründung ein, dass der gegen den Beschuldigten gerichtete Verdacht sich nicht bestätigt habe und kein Geständnis vorliege. Ein Tatnachweis sei unmöglich, weil Tatzeugen oder sonstige eindeutige Beweismittel fehlten.
Ich schenke es mir, Beschwerde einzulegen und denke "Hak´s ab". Denn für "Verlust von Lebensqualität" gibt es keinen Schadensersatz.