Mittwoch, März 02, 2005

Nr. 1737 und ein Veto

Heute fand die außerordentliche Plenarsitzung der Frankfurter Stadtverordnetenversammlung statt. Es ging um die Einwendungen der Stadt Frankfurt gegen den Antrag der Fraport AG auf Planfeststellung der Landebahn-Nordwest. Dem Antrag 1737 wurde zugestimmt und Petra Roth hat wie angekündigt ihr Veto direkt nach der Abstimmung eingelegt. 

Damit ist die Nordbahn im Frankfurter Süden erstmal Fakt. Verloren haben die Frankfurter Bürgerinnen und Bürger. Die haben solche blöden Reden, die heute in einer solch immensen Zukunftsfrage gehalten wurden, nun wirklich nicht verdient. Lutz Sikorski (Grüne) und Volker Stein (FDP) haben sich beim verbalen Griff ins Klo kaum einbekommen. Und das ist jetzt noch höflich formuliert. Schade, ich bin total enttäuscht. Weil ich dachte, dass sich die "linke Mehrheit" ernsthaft mit dem undemokratischen Veto der Frankfurter Bürgermeisterin und den Sorgen und Nöten von 100.000 Menschen im Frankfurter Süden auseinander setzen würde. Aber ich hab heute abend gelernt, dass es darum gar nicht geht. Mag sein, dass 5,2 Millionen Arbeitslose ein gewichtiges Argument sind. Aber auf Schadensersatz für Frankfurt zu verzichten, das hätte Frau Roth nicht tun müssen. Es muss doch ein Kompensat für Frankfurt geben. Es war echt unwürdig, wie mit einer so immens wichtigen Frage im Stadtparlament umgegangen wurde. Ich ärger mich immer noch, dass mich das so getroffen hat. Jede Laienspielerschar geht ernsthafter an so ein bedeutendes Thema. Da war keine Verantwortung für das, wofür einige gewählt worden waren, zu spüren. Wer so eine billige Nummer aufführt, braucht sich über Politikverdrossenheit wirklich nicht zu wundern.

Sex mit dem Staubsauger

Hab gestern Peter und Trulli von der Lesung mit der Grimme-Preisträgerin Charlotte Roche in Flensburg erzählt, die auch in Kiel angekündigt war. Über "Penisverletzungen bei Masturbation mit Staubsaugern". 

Das ist nämlich der Titel einer Doktorarbeit, die im November 1978 an der Urologischen Klinik der TU München veröffentlich wurde. pi hat mir schon in den Neunzigern beim gemeinsamen Tagebuchschreiben von dem Werk erzählt. Sein Vater war damals PR-Chef von Vorwerk, die damals den "Kobold" sehr blumig als ausgesprochen effiziente Haushaltshilfe vermarkteten. Die Service Definition muss ausgesprochen inspirierend gewirkt habe. 

In einem Interview mit "Queer" berichtet Charlotte Roche, dass Ende der Siebziger ganz viele Männer mit absolut identischen Verletzungen in Krankenhäuser eingeliefert wurden. Damals hatte ja fast jede Hausfrau so einen Staubsauger. Und viele Männer hatten alle irgendwann die gleiche Idee. Das ist im Prinzip nicht problematisch. Nur bei einem Kobold ist es leider fatal. Denn der Ansaugstutzen hat nur eine Länge vom 11 cm Länge und 3,5 cm Durchmesser. Danach "traumatisiert" der Propeller - vergleichbar einem Fleischwolf - unerbittlich alles, was länger ist als elf Zentimeter. Der Vorwerk-Slogan lautete damals übrigens "Nur saugen allein genügt nicht". 

Wir liegen vor Trullis Rechner auf dem Teppich und lachen Tränen über Staubsaugergeräusche.