Sonntag, Dezember 31, 2006

Bye bye Hotel Falckenstein

Es gibt Tage, da sollte man der Realität ernsthaft ins Auge sehen. So ein Tag ist heute. Mir fehlt, seitdem ich in Wiesbaden arbeite, die Zeit und die Muße, zu schreiben. Klar fallen mir immer noch Dinge im Alltag auf, die es lohnt. Seitdem ich wieder in Sachsenhausen lebe, in meiner "Engels-Wohnung", die ich nach der Jugendstil-Skulptur unter meinem Fenster so benannt habe, fahre ich oft am Otto-Hahn-Platz vorbei. Jeden Abend zieht dort eine Berberin mit ihrer gesamten Habe zum Übernachten unter das Dach der Straßenbahnhaltestelle. Oft wird sie von Fahrgästen begrüßt, einige verweilen zum Plausch. Morgens geht sie wieder. Ich frage mich, was die Frau bewegt, jede Nacht öffentlich auf den Drahtbänken einer VGF-Station zu verbringen?

Aber all´ solche Fragen lösen mein Problem nicht. Mir fehlt wirklich die Zeit, ein- oder zweimal pro Woche im "Hotel Falckenstein" über das Leben und das Unterwegs sein nachzudenken. Und deshalb wird das Hotel jetzt geschlossen. Für immer? Keine Ahnung, vielleicht ein paar Wochen oder Monate. Wahrscheinlich bis zum Ende der Hessischen Landtagswahl am 27. Januar 2008. Das ist realistisch. Und dann? Wie gesagt, noch kein Plan. Ich hoffe, ihr habt Verständnis dafür. Aber meine Kreativität wird auf einer anderen Baustelle gebraucht. Deshalb "bye bye Falckenstein".

Montag, November 13, 2006

Bevölkerung gehört Verwertungsgesellschaft

Und hier ist die Antwort vom Deutschen Bundestag auf meine Frage, wem die Bevölkerung gehört. 

 -- snip -- DEUTSCHER BUNDESTAG 10. November 2006 

Kurator der Kunstsammlung 11011 Berlin Platz der Republik l Sehr geehrte Frau Tursky Hartmann, mit Schreiben vom 20. September 2006 hatte ich Ihnen nähere Auskunft zu Ihrer Anfrage vom 22. August 2006 angekündigt. Leider hat sich die Antwort verzögert, wofür ich um Verständnis bitte. Sie hatten sich nach der Rechtslage bei der Veröffentlichung von Fotos der Kunstwerke des Deutschen Bundestages durch Besucher der Parlamentsbauten erkundigt. 

Die in den Parlamentsbauten sichtbaren Installationen, die sog. Kunst-am-Bau-Werke, sind von der Bundesbaugesellschaft Berlin mbH im Auftrag des Deutschen Bundestages realisiert worden. Die von ihr abgeschlossenen Verträge räumen je nach Verhandlungsergebnis unterschiedliche Nutzungsrechte ein. Im konkreten Fall der Installation "Der Bevölkerung" ist im Vertrag die Internet-Nutzung nicht erfasst. 

Die entsprechenden Internet-Seiten des Deutschen Bundestages wurden in Abstimmung mit Hans Haacke gestaltet, so dass seine mündliche Zustimmung gegeben ist. Jedoch hat der Deutsche Bundestag nicht das Recht, Dritten die Veröffentlichung im Internet zu genehmigen. 

Wenn Besucher des Deutschen Bundestages Fotos dieser Installation auf ihrer Internetseite einstellen, müssen sie sich um die Einholung der Veröffentlichungsrechte bemühen, da eine Internetseite eine öffentliche Zugänglichmachung des Kunstwerkes darstellt. Eine tatsächlich private Nutzung von Fotos aus dem Deutschen Bundestag ist hingegen jedem Bürger gestattet. 

Mit freundlichen Grüßen Dr. Kaernbach

Mittwoch, September 13, 2006

Preisfrage: Wem gehört die "Bevölkerung"?

Gastbeitrag: von Hugo Müller-Vogg (BILD, 13. September 2006)

Die Installation „Der Bevölkerung“ in einem Innenhof des Reichstagsgebäudes gilt als Kunstwerk. Abgeordnete haben um die großen Buchstaben herum Erde aus ihren Wahlkreisen angehäuft; darauf wuchern Gräser und Unkraut. Finanziert hat es der Steuerzahler mit rund 200 000 Euro.Der Künstler Hans Haacke will damit zum Dialog anregen. Zu viel Dialog ist ihm aber auch nicht recht. Das bekam Petra Tursky-Hartmann, Vorsitzende des größten SPD-Ortsvereins in Frankfurt, zu spüren. Die 45-Jährige hatte ein eigenes Foto des Werks in ihr Internet-Tagebuch gestellt. Das dürfe sie nicht, belehrte sie die „Verwertungsgesellschaft Bild-Kunst“ im Auftrag Haackes.

Juristisch stimmt das: Wer das Foto eines Kunstwerks ins Internet stellt, der „nutzt“ es. Und diese Nutzung ist genehmigungs- und gebührenpflichtig!


Die SPD-Frau sieht das Ganze jedoch politisch. Sie fragte Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) schriftlich, wem die „Bevölkerung“ eigentlich gehöre. Eine Antwort hat sie bisher nicht erhalten. Doch erfuhr der parlamentarische Geschäftsführer der FDP, Jörg van Essen, davon und wurde aktiv. 


Das Ergebnis: Die Bundestagsverwaltung strebt jetzt mit der VG Bild-Kunst eine Vereinbarung an, die Bundestagsbesuchern erlaubt, ihre Fotos von allen Kunstwerken im Reichstag unentgeltlich im Internet zu zeigen. Die Kosten wird der Bundestag übernehmen, obwohl ihm die Werke schon gehören!

Die Frankfurter Genossin kämpft noch an einer zweiten Front: Ihr Foto von Rainer Fettigs Willy-Brandt-Statue in der SPD-Zentrale darf nur deshalb in ihrem Online-Tagebuch bleiben, weil sie jährlich 25,68 Euro bezahlt. Jetzt will auch die SPD mit der VG Bild-Kunst verhandeln: Damit alle Genossen ihre Willy-Fotos im Internet zeigen können – mit Stolz und ohne Kosten!
Mehr zu diesem Thema unter
www.tursky-hartmann.de.

Dienstag, August 22, 2006

Was kostet der Himmel?

... und gehört die "Bevölkerung" wirklich einer Verwertungsgesellschaft? Nach einem Exkurs ins deutsche Urheberrecht habe ich jetzt an das Präsidium des Deutschen Bundestags folgenden Brief geschrieben und um Antwort gebeten.

An das Präsidium des Deutschen Bundestags Deutscher Bundestag Platz der Republik 1 11011 Berlin per E-Mail vorab
„Kunst gehört ins Volk, Kunst gehört dorthin, wo Menschen sind.“
Frankfurt, den 22.08.2006

Sehr geehrter Herr Bundestagspräsident, Herr Dr. Norbert Lammert
Sehr geehrter Herr Wolfgang Thierse
Sehr geehrte Frau Gerda Hasselfeldt
Sehr geehrte Frau Susanne Kastner
Sehr geehrter Herr Hermann Otto Solms
Sehr geehrte Frau Petra Pau
Sehr geehrte Frau Katrin Göring-Eckardt
Die Verwertungsgesellschaft Bild-Kunst hat mich Anfang Juli auf eine Verletzung des Urheberrechts – es handelt sich um drei private Fotos, die Kunstwerke im Deutschen Bundestag und im Willy-Brandt-Haus auf meiner privaten Homepage http://www.tursky-hartmann.de/ zeigen – schriftlich aufmerksam gemacht. Konkret geht es um Fotos von „Der Bevölkerung“ von Hans Haacke, der Installation von Joseph Kosuth im Paul-Löbe-Haus und die Willy-Brandt Skulptur von Rainer Fetting im Willy-Brandt-Haus. (siehe Anhang) Das Fotografieren dieser Kunstwerke ist bislang nicht explizit verboten gewesen. Allerdings stellt die Veröffentlichung dieser Fotos im Internet eine Nutzung dar, die der Genehmigung der Rechtsinhaber bedarf.

Die VG Bild-Kunst hat mir angeboten, dass ich meine Fotos gegen Lizensierung auch in Zukunft auf meiner Homepage, die keine kommerziellen Interessen verfolgt, veröffentlichen darf. Das Honorar für die Veröffentlichung dieser drei Fotos beträgt monatlich 2.- € plus 7% MwSt. Entsprechend den Forderungen der Verwertungsgesellschaft habe ich ab 1. August 2006 einen auf ein Jahr befristeten Vertrag in Höhe von 25,68 € abgeschlossen. Vor einigen Tagen hat mich nun die VG Bild-Kunst informiert, dass der Künstler Hans Haacke die Zustimmung zur Veröffentlichung meines Fotos – obwohl ich bereit bin, das geforderte Honorar an die VG Bild-Kunst zu zahlen - verweigert. Ich bitte Sie nun um folgende Auskünfte:
  1. Wie viele Bundestagsabgeordnete haben bislang Fotos von „Der Bevölkerung“ auf ihren Homepages veröffentlicht und für die Veröffentlichung entsprechender Fotos Honorar an die VG Bild-Kunst gezahlt?
  2. Wie oft wurde vom Künstler Hans Haacke bereits ein Veröffentlichungsverbot für Fotos von „Der Bevölkerung“ ausgesprochen?
  3. Wie hoch ist die Summe, die für das Kunstwerk „Der Bevölkerung“ aus Steuermitteln aufgewendet wurden?
  4. Ist dem Bundestagspräsidium bekannt, dass die „Bevölkerung“ von einer Verwertungsgesellschaft vermarktet wird?
  5. Ist der Deutsche Bundestag ein öffentlicher Raum oder eher eine Art Museum, wo die Schrankenregelung des Urheberrechts (§ 59) gilt?
Auf der Website „Blickpunkt Bundestag online“ des Deutschen Bundestages wird übrigens sehr umfassend auf das Thema „Kunst im Bundestag“ eingegangen, mit dem Ziel, die dort gezeigten Kunstwerke einer breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen. Mit dem Satz „Kunst gehört ins Volk, Kunst gehört dorthin, wo Menschen sind.“ begründet der Deutsche Bundestag, warum bei öffentlichen Bauten des Bundes mindestens ein Prozent der Bausumme in Werke bildender Künstler investiert werden. Überall dort, wo tagtäglich tausende von Menschen vorübergehen, sollen Kunstwerke von hohem Rang sichtbar gemacht werden, um dieser Werke „zum Erlebnis besonders der heranwachsenden Generation“ zu machen.

Ich teile diese Auffassung, da ich mit meinen Kindern und ihren Freunden schon mehrfach den Deutschen Bundestag u.a. aus diesem Grunde besucht habe. Ich teile auch die Auffassung, dass Künstler für ihre Werke angemessen honoriert werden sollten. Allerdings würde ich mir zukünftig an Kunstwerken des Deutschen Bundestages deutliche Hinweise wünschen, ob Kunstwerke, wie z.B. „Der Bevölkerung“ Rechte frei sind oder nicht. Wenn Künstler nicht wünschen, dass Fotos von bestimmten Kunstwerken im Internet publiziert werden, sollten dies auch deutlich und klar kommuniziert werden. Das dürfte zumindest hilfreich ein, Missverständnissen und entsprechendem Schriftverkehr vorzubeugen, warum z.B. die „Bevölkerung“ nicht dem Volk, sondern einer Verwertungsgesellschaft gehört.

 Mit freundlichen Grüßen
 Petra Tursky-Hartmann

Montag, Juli 17, 2006

WM Wiki 2.006

"Fußball ist ein Spiel, bei dem 22 Männer auf einem Platz stehen. Und am Ende gewinnen die Deutschen." Sagte der englische Stürmer Gary Lineker, Gewonnen ham´ wir. Sind zwar kein Fußball-Weltmeister geworden. Aber "Weltmeister der Herzen". Dann machen wir´s eben mit den Sportfreunden Stiller in 2010. Den Titel des Party-Weltmeisters haben wir uns im Sommer unseres Lebens wahrlich verdient. Aufgeblüht – und nicht aufgebrüht - im Glanze dieses Glückes. Die "Love Generation" hat in der Frankfurter MainArena und in Alt-Sachsenhausen rund um die Frau Rauscher aus der Klappergass´ vier Wochen lang ihr schwarz-rot-goldenes Woodstock zelebriert.

Sonntag, Juni 11, 2006

Zu Gast bei Freunden in der Puppenstube

So, vor dem nächsten WM-Spiel erzähl ich noch ne Runde von "Taiske" (schreibt sich Taisuke, spricht sich aber Taiske), meinem Japaner, der seit letzten Donnerstagmorgen hier in meinem Wohnzimmer in Oberrad logiert. "Zu Gast bei Freunden", ich war dabei. Jawoll.

Er ist echt klasse, sehr höflich, hat ein Excel-Sheet, das sein Leben hier in Deutschland durchplant und irgendwie cool. Am Donnerstag hat er erstmal ausgeschlafen und mich dann nachmittags angerufen, dass er in ner riesen Schlange für die Ticket-Ausgabe am Waldstadion anstehe. Ich hab´, weil wir seinen PC nicht ans Internet bekommen haben (hehe, japanische Beschriftung XP-Konfiguration für´s Netzwerk und ich mit rudimentären deutschen Technik-Kenntnissen) abends Stefan gefragt, ob er den Laptop einrichten kann. Konnte er und damit steht der Kommunikation nach Japan nix mehr im Wege. 

Mit der Aktion haben wir uns nen lockeren Abend in Sachsenhausen beim Ebbelwoi eingehandelt. Danach sind wir zur Sightseeing-Tour durch Frankfurt aufgebrochen und Taisuke hat nachts seine japanischen Kollegen bei Accenture und die Freunde in Tokio mit ersten Eindrücken aus Deutschland beglückt, die da lauteten:

1. Kommt nach Frankfurt, die Stadt ist einfach niedlich. So was wie eine Puppenstube.

2. Kaum zu fassen, aber Frankfurt hat nur 650.000 Einwohner, ist also keine Millionenstadt wie Tokio (mit über 10 Mio Einwohner im Inner-Circle).

3. Von Oberrad sieht man die Skyline und eigentlich sieht man von überall die Skyline.

4. Die Frankfurter sind stolz auf sieben Hochhäuser, die nicht annähernd so hoch sind wie unsere in Tokyo, aber (siehe oben) die Frankfurter sind stolz auf ihre Puppenstube, die man beim Kaffeetrinken auf dem Kaufhof-Restaurant betrachten kann.

5. Frankfurt ist die Stadt der kurzen Wege, in zwei Stunden habt ihr alles gesehen, was historisch wichtig ist, also es bleibt genug Zeit, noch auf der Zeil zu shoppen und dann nach Heidelberg zu fahren (siehe oben: Frankfurt ist niedlich)

6. In der Paulskirche begann die Demokratie in Deutschland, d.h. sie haben sich da ihres Kaisers irgendwie entledigt, ob das besser funktioniert, mag dahin gestellt sein. Aber die Paulskirche ist hübsch.

7. Der Römerberg ist "really real", also der Balkon, den man von Weltmeister-Feiern aus dem Fernsehen her kennt, den gibt es wirklich. Der Frankfurter Römer ist keine Film-Kulisse. Dort gibt es viele Kaiser-Bilder (siehe Paulskirche, keine Ahnung, warum die Frankfurter diese wunderbare Kaiser-Galerie nicht fortschreiben wollten, aber egal) und einen Krönungsweg zum Dom.

8. Auf dem Römerberg spielen gerade 1000 Engländer Fussball und schießen die Scheiben zum Kaisersaal ein. Aber die Polizei ist höflich und hat erst nach längerem Zuschauen unter Geheule der Engländer den Ball konfisziert. Frankfurter haben viel Geduld mit ausländischen Gästen. Auch wenn vieles nicht in Japanisch beschriftet ist, kommt man gut zu Fuss rum.

9. Neben dem Römer gibt es ein Restaurant, da bin ich einem Teil der Frankfurter Magistratsmitglieder (Chief of Finance, Chief of Police and Head of Integration) vorgestellt worden. Die haben dort gegessen und dem Fussballspiel der Engländer interessiert zugeschaut. Sehr freundlich so eine Stadtregierung, irgendwie echt und nicht nur im Fernsehen und im Römer, wo die Oberbürgermeisterin wohnt.

10. Die Frankfurter haben in der Fan-Arena einen großen Fernseher in den Main gebaut, ein Fluss, der Frankfurt von Sachsenhausen trennt.

11. In Sachsenhausen gibt es gutes Essen und "Ebbelwoi", und die Häuser sind lustig.

12. Kommt alle nach Frankfurt, es ist sehr sauber und freundlich und echt nicht teuer.

Das war so ungefähr das, was er mir erklärt hat, was ihm an unserer Sightseeing-Tour gefallen hat und er Japan mitteilen wollte.

Heute hat er mich gefragt, wo es Schuhspray gibt (sein Englisch ist nicht sooooo gut und mein Japanisch bis auf Arregato nicht existent). Ich bin übrigens dazu übergegangen, mit ihm Deutsch zu sprechen und mit Händen und Füssen zu erklären, was ich meine. Das gefällt ihm und wir verstehen uns, mal kucken, wie weit wir mit "Deutsch in drei Wochen" kommen. Er hat dann auf seine Turnschuhe gezeigt und mit den Händen ne Sprühdose imitiert. Ich hab dann meinen linken Mittel- und Zeigefinger in die Nase gesteckt und die Stirn gekräuselt. Da hat er sich checkig gelacht. Ich hab ihm dann auf dem japanischen Stadtplan die einschlägigen Schuhgeschäfte auf der Zeil markiert. Dafür hat er heute morgen dann das Geschirr der letzten drei Tage gespült. Als ich protestiert hab´, hat er es mit freundlich-japanischem Lächeln quittiert und mich mehr oder minder aus meiner Küche komplimentiert. Jetzt ist alles blitzeblank.

Gestern ist er nach Bonn gefahren, um die japanische Mannschaft beim Training zu sehen. Im Zug hat er einen Japaner getroffen, der eine zweite Karte von einem Japaner hatte, der früher zurückfliegen musste, für das Spiel in Dortmund. Dann ist er zum Schweden-Spiel mitgedüst und heute morgen total müde hier in Oberrad aufgeschlagen. Heute ist er wieder unterwegs, ich glaub Richtung Köln. Auf meine Frage, ob die Organisatoren nicht bei der Einlasskontrolle die Pässe sehen wollten, meinte er verschmitzt, dass sie dann auf "Nichtverstehen" und einen Japaner zur Übersetzung bestanden hätten. Aber in Dortmund hätte niemand kontrolliert, Japaner seien eben Japaner und keine englischen Hooligans. Ich hab´ ihm erzählt, was gestern am Römerberg los war, das fand er ziemlich unhöflich von den englischen Gästen.

Deutschland gefällt ihm gut, und so wie es aussieht, wird er seinen Aufenthalt in Deutschland über die Vorrunde hinaus verlängern. Das hat mich sehr gefreut.

Samstag, Juni 10, 2006

Ballermann auf dem Römerberg

Alsoooooooooooo Leute, Engländer in größeren Rudeln sind echt die Härte. Die haben heute nach dem 1:0 gegen Paraguay einfach unsere "Gut Stubb" verwüstet. Stell man sich mal vor, was die "Sun" oder der "Daily Mirror" mit uns machen würden, wenn die Deutschen sich nach nem 1:0 im Wembley-Stadion vor dem königlichen Palast in London so aufgeführt hätten. Bei Justitia ist das Schwert weg (abgebrochen?). Die Gute wurde behütet, in eine englische Fahne gehüllt und mit einem Plastik-Bomber über der Waage ausgestattet. Die Blumen auf der Brüstung um den Gerechtigkeitsbrunnen sind zertrampelt, die Blumentöpfe runtergeschmissen. Und Scheiben im Kaisersaal eingeschossen (an der Hauptwache übrigens auch). Als sich ein Amerikaner traute, an Justitia hochzuklettern und ihr eine US-Fahne umzubinden, haben die Engländer den armen Kerl fast gelyncht. Einer ist unter dem "England, England" Gegröhl einiger Hundertschaften alkoholisierter Fans wieder rauf auf Justitia, um die US-Fahne herunterzuholen. Hab ich auch als Movie. Drei Mexikaner, die sich auf den Brunnen fürs Erinnerungsfoto mit mexikanischer Fahne trauten, wurden von der Menge gnadenlos ausgepfiffen und ins trübe Bier-Brackwasser geschubst. Die Polizei, die mit maximal 100 Leuten versucht hat, das Fantreiben in geordnete Bahnen zu lenken, hatte in Anbetracht der britischen Übermacht von mindestens 1000 alkoholisierten Fans keine Chance. Zivilcourage hätten die Briten wahrscheinlich als Heroismus an der falschen Stelle interpretiert. Justitia ist voll "die" Trophäe dieser unmöglichen "Gäste". Ok, ich sag´ jetzt einfach mal "Inselaffen", dann bin ich wieder nett und eine höfliche Gastgeberin. Aber hier wurde heute abend unsere Gastfreundschaft ein bissi missbraucht. Man muss aus dem Römerberg nicht nen Ballermann machen. Die armen Kölner, dort spielt England am 20. Juni gegen Schweden das letzte Gruppenspiel. Ob die dann den Dom in Kölle lassen?

*seufz*. Wenn das jeden Tag so geht, dann wird die deutsche Gastfreundschaft auf eine harte Probe gestellt.

Sonntag, Juni 04, 2006

SkyArena II

Wieder sammeln sie sich. Hunderte. Tausende. Der Willy-Brandt-Platz füllt sich. Immer mehr kommen aus der U-Bahn. Erste sphärische Klänge künden über der Taunusanlage von dem Ereignis. In der Commerzbank hat eben jemand den ganz großen Schalter umgelegt. Die 11 bahnt sich vorsichtig ihren Weg durch die Menschenmenge. Frankfurt hat sich die letzten vier Jahre verändert. Medien und Sport. Und die Performance. Ok, alles von den Banken bezahlt, die sich mit der SkyArena ein Denkmal setzen. Was sind da 3 Millionen Euro für so ein Image? Und wie hat Marie-Jo Lafontaine die hasenbekopften Menschen und den "ping" durchgesetzt? Kultur neben Commerz. Frankfurt macht es möglich. Für drei unvergessene Nächte.

I love the world

Mit dem Sonar auf der Suche. Wie das Echolot, das in "Das Boot" von der Suche kündete. Kombiniert mit Fotos von Menschen mit Tierköpfen überlebensgroß auf den LEDs der Frankfurter Bankenskyline. Soviel Kultur war selten zwischen Commerz und Bank. Sicher kein Massengeschmack. Aber interessant für alle, die auf der Suche nach etwas anderem sind. Kontrast Programm am Main.

Samstag, Juni 03, 2006

SkyArena

1 Million Ameisen können sich nicht irren. Neben mir stehen Thüringer, die die Qualität von Frankfurtern diskutieren. Kulinarisch versteht sich. Unter dem Eisernen Steg eröffnet die Dubai-Frankfurt Gesellschaft eine Polonaise zu Schlangenbeschwörermusik an der engsten Stelle. Auf dem Main jagt ein Schubverband Dutzende von Kleinstbooten aus der Fahrrinne. Und immer mehr Menschen strömen an den Main. Irgendwo hört man "Eintracht Frankfurt" Gesänge. Über Lautsprecher wird Musik eingespielt. In der Helaba dimmt einer am ganz großen Schalter das Licht. Macht sicher Spaß, kaskadenartig ganze Stockwerke unter "Ahh" und "Ohh" auszuknipsen. Keine Ahnung, wer die Idee mit der SkyArena hatte. Aber es ist die wunderbarste Idee, die WM 2006 mit solchen gigantischen Bildern auf der Skyline von Frankfurt zu eröffnen.

Montag, Mai 15, 2006

Sex in der SPD ist auch in Zukunft erlaubt

Kleine Presseschau zu "Sex sells". 

Hab auf dem Frankfurter UB-Parteitag meinen Beitrag aus dem "Hotel Falckenstein" vorgetragen. Und viele haben Tränen gelacht. Auch die, die den Sachsenhäuser I-Antrag sch... fanden, hatte ich mit "Sex sells" versöhnt. Die Forderung, ein Konzept für die OB-Wahl vorzulegen, haben einige als Angriff auf unseren OB-Kandidaten verstanden. Meine "Betrachtungen" zum Kommunalwahlkampf hat vielleicht klarer gemacht, warum wir vielleicht doch mal ein Konzept bräuchten. Na ja, der E9 der Jusos wurde dennoch mit viel Freude versenkt. Sex in der Frankfurter SPD ist auch in Zukunft erlaubt. 

Frankfurter Allgemeine Zeitung: Erotik? Ja, bitte! 15. Mai 2006 von Hans Riebsamen 

Sex sells - Sex verkauft sich. Doch soll sich die SPD mit Sex verkaufen? Nein, sagen die Jusos: „Wir fordern die SPD Frankfurt deshalb auf, in Zukunft in ihren Werbemaßnahmen auf sexuelle Motive zu verzichten.“ Ausgerechnet die Jungsozialisten haben auf dem SPD-Parteitag am Wochenende Enthaltsamkeit gepredigt, also junge Frauen und Männer, die - so spottete die schon etwas gereifte, aber immer noch flotte Genossin Petra Tursky-Hartmann - ihr ganzes erotisches Leben noch vor sich haben.
Werbung verwende häufig Bilder von Sex, um Produkte zu verkaufen, wissen die Jusos. Sexualität werde so mehr und mehr zu einer Ware. Der Parteinachwuchs mag es aber lieber nichtkommerziell, kuschelig und züchtig. Allerhöchstens ein wenig Petting im Kino. Doch ach, die Hand des Jusos zuckte vor erotischen Gefährdungen zurück, als während des Wahlkampfs jener berüchtigte SPD-Kampfstier erschien, um die noch berüchtigtere Kuh mit den roten Strapsen im Auftrag der Partei zu besteigen. Die Juso-Hand griff offenbar noch im Lichtspieltheater lustvoll zum Kugelschreiber und formulierte für den Parteitag den Antrag: Kein Sex mehr in der SPD. 

Schwierigkeiten mit dem Sex

Am Samstag hatten die Parteitags-Genossen zu entscheiden, ob die SPD auch fürderhin Sexseller sein will, also zum Beispiel die Reichensteuer erotisch verbrämt als eine Art politisches Potenzmittel für den tattrigen Sozialstaat verkaufen solle. Präsidiumsmitglied Susanne Lapp hat die Strategie „Sex sells“ verteidigt - aber sich so schlecht verkauft, daß sie beim nächsten Parteitag nicht mehr im Präsidium sitzen wird. Die SPD hat offensichtlich ihre Schwierigkeiten mit dem Sex - sonst hätte sie nicht ihren besten Sex-Appeal-Politiker Michael Paris entmannt. Seine Rolle als Augenweide für die weibliche Wählerschaft muß jetzt der Oberbürgermeisterkandidat Franz Frey übernehmen. Und „der Franz“, wie alle in der Partei sagen, hat sich auch redlich bemüht, hat das steife Dezernenten-Jackett zu Hause im Schrank gelassen, hat mit sicherem erotischen Gespür ein rosa Hemd angezogen - bisher das Markenzeichen von Paris. Jetzt wartet Frankfurt darauf, daß er im Oberbürgermeister-Wahlkampf auch noch dieses Hemd auszieht.

„Die SPD zeigt zu wenig Erotik“ 

Denn wie sagte die erfahrene Tursky-Hartmann: „Die SPD zeigte im Wahlkampf nicht zuviel, sondern zuwenig Erotik.“ Also künftig nicht mehr SPD-Damen mit Rüschenblusen auf den Wahlplakaten, sondern freizügige Mädels mit „Arschgeweih“. Was das ist? Tursky-Hartmann hat es nicht erklärt, sie setzte offenbar voraus, daß der gemeine Genosse weiß, daß eine Tätowierung über dem Allerwertesten in Fachkreisen so genannt wird. Was wohl die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen zu solchem Chauvinisten-Treiben sagt? Schon stürmte sie in Person der AsF-Vorsitzenden Ulli Nissen ans Rednerpult. Doch hört, hört! Die SPD-Frauen haben nichts gegen Sex. Nissens Großmutter zum Beispiel hat sich noch mit 80 Jahren ein Doppelbett ins Schlafzimmer stellen lassen. Auf keinen Fall ist also die sozialdemokratische Frau für das demographische Desaster verantwortlich. Vielleicht die männlichen Schlaffos? Frankfurt muß aber nicht die Hoffnung verlieren. Es geht an allen Stellen aufwärts bei der SPD. Denn der Parteitag lehnte den Juso-Antrag ab. Sex in der SPD - ist weiter erlaubt.

Frankfurter Rundschau: Sex sells Frankfurter SPD diskutiert über Erotik im Wahlkampf Sozialdemokraten diskutieren auf ihrem Parteitag engagiert über die verkaufsfördernde Wirkung von Sex und Erotik VON MARTIN MÜLLER-BIALON 

Sozialdemokraten, die über Sex reden, kommen anscheinend langsam in Mode. Die Orgasmuslüge der schwäbischen SPD-Frontfrau Ute Vogt im Landtags-Wahlkampf war dabei nur der Anfang. Beim Parteitag der Frankfurter SPD konnte man zum Beispiel erfahren, dass sich die Mutter der Frauenpolitikerin Ulli Nissen "mit 80 Jahren noch ein Doppelbett gekauft hat, weil die Liebe dann erst richtig Spaß macht". Oder dass es Parteimitglieder wie Petra Tursky-Hartmann gibt, die auf den jüngsten Wahlplakaten statt "ordentlich bebrillter Frauen" lieber "High Heels und Arschgeweihe" gesehen hätten. Die SPD, mag sie auch bei den harten Themen arg verunsichert wirken, macht in erotischen Dingen neuerdings einen recht aufgeklärten Eindruck. 

Versuche, zur Prüderie zurückzukehren und "in Zukunft auf sexuelle Motive zu verzichten" - ein ausgerechnet von den Jusos eingebrachter Antrag -, wurden im Keim erstickt. Mit knapper Mehrheit und nach 45-minütiger Diskussion entschied der Parteitag, dass Werbespots wie der mit der roten Straps-Kuh auch in Zukunft möglich sein sollen. Wie wichtig der SPD das Thema Erotik ist, zeigte die Rednerliste zu dem Tagesordnungspunkt "Sex Sells" - es gab acht Wortmeldungen. Abgesehen von der Aussprache über den Bericht des Parteivorsitzenden Franz Frey hatten die Genossen bei keinem anderem Thema mehr Redebedarf. 

Da blieb auch Römerfraktionschef Klaus Oesterling nicht verschont, der sich im Wahlkampf mit Rippchen und Ebbelweiglas (Aufschrift: Lahmer Esel, eine Gaststätte in Niederursel) ablichten ließ. Irgendwann ging es sogar mal um die Krawatte des Oberbürgermeister-Kandidaten Frey, obwohl der an diesem Tag ausnahmsweise überhaupt keine umgebunden hatte. Allerdings fand auch hier der Antrag, "das Auftreten des Kandidaten überzeugender zu gestalten", keine Mehrheit. Frey bleibt also nicht nur OB-Kandidat, er darf sich auch weiter mit seinen Enkeln ablichten lassen und muss nicht "mit 20 Blondinen spielen" - eine weitere Anregung der Delegierten Tursky-Hartmann.

Michael Paris hätte das gar nicht nötig, er ist ja selbst ein Schönling, der sich in der Boulevardpresse "metrosexuell" nennt und offenbart, dass er seine Achselhaare rasiert. Dennoch erlebte nicht nur der Rebell eine krachende Niederlage auf diesem Parteitag, sondern auch seine Fürsprecher. Unter anderem Susanne Lapp, die ihre "großer Sympathie für Michael" bekundete und feststellte: "Kandidaten müssen gut aussehen. Sex sells." Anschließend fiel sie bei den Wahlen für das Parteitagspräsidium kläglich durch.

Wird die SPD also künftig auf "Marketinggags" wie die Straps-Kuh setzen, wie die Jusos fürchten, oder den "Anspruch auf Gesellschaftsveränderung" beibehalten? Das blieb am Ende dann doch offen. Sollte sich die Partei aber allen Themen so intensiv widmen wie der Erotik, wird es mit ihr bald wieder steil bergauf gehen.

Frankfurter Neue Presse (15.05.2006) Brave Jusos, sexy Sozis Frankfurt. 

Die rote Straps-Kuh, mit der die SPD im Kommunalwahlkampf für Aufsehen gesorgt hat, beschäftigte auch den Parteitag. So forderten die Jusos, künftig nicht mit sexuellen Motiven zu werben. 

Diesen Antrag des Parteinachwuchses verstand Petra Tursky-Hartmann, Vorsitzende des Ortsvereins Sachsenhausen-Ost, nicht so recht: «Die Jusos haben doch ihr ganzes erotisches Leben noch vor sich.» Zudem sei der Wahlkampf der SPD eher zu wenig sexy gewesen, meinte sie mit Hinweis auf die Plakate, die Parteichef Franz Frey mit seinen Enkeln und Fraktionschef Klaus Oesterling mit einem Bembel – Aufschrift: «Lahmer Esel» – zeigten. Ulli Nissen, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (AsF), plädierte für eine strikte Trennung zwischen Erotik und Politik. «Sex sells» tauge nicht als Werbung für die SPD, meinte sie. Andererseits berichtete sie, ihre Großmutter habe noch mit 80 Jahren ein Doppelbett gekauft – und so ein Leben im Alter wünsche sie sich auch selbst. Die Stadtverordnete Ursula Busch fragte schließlich, ob man sich Franz Frey im Adamskostüm auf einem Eisbärfell vorstellen könne, versehen mit dem Slogan «Für Frankfurt geb’ ich alles.» Am Ende wurde der Juso-Antrag deutlich abgelehnt. (jge)

Sonntag, April 30, 2006

Sex Sells

Ich hab angefangen, mir eine Burka zu häkeln. Pünktlich zum nächsten SPD Parteitag am 12. Mai muss die fertig werden. Denn die Jusos haben mit dem E 9 einen Antrag eingereicht, der die Partei auffordert, in Zukunft bei Werbemaßnahmen auf sexuelle Motive zu verzichten. Und die Antragsprüfungskommission, oberste Gralshüterin sozialdemokratischen Gedankenguts, hat Absolution, also Annahme, empfohlen.

Das wäre ja nun alles wirklich diskurswürdig, wenn die Frankfurter SPD im letzten Wahlkampf mit "Sex Sells" fette Mehrheiten eingefahren hätte. Mit 24 Prozent sind wir aber weit davon entfernt, auf die Frankfurter Bevölkerung auch nur annähernd sexy zu wirken. Wenn es nicht diese kleine Kuh gegeben hätte, die für die Sozialdemokraten mit klimpernden Wimpern a lá Disney-Bambi im Kino ins Rennen gegangen wäre, hätten wahrscheinlich noch viel weniger Leute mitbekommen, dass am 26. März Kommunalwahl war. 

Und wenn ich mal ernsthaft Bilanz der SPD-Kampagne ziehe, dann war das „Projekt Heimat Frankfurt“ doch eher durch Rüschenblusen und weniger durch Leidenschaft gekennzeichnet. Zumindest hab ich keine aufreizenden Plakate meiner Geschlechtsgenossinnen in Niederrad, im Nordend oder in Praunheim gesehen. Tagsüber mein ich jetzt, keine Ahnung, vielleicht stellen die Ortsvereine nachts ja andere Ständer raus und ich hab mal wieder was verpasst. Ich hab nur hochgeschlossene, wohl frisierte und ordentlich bebrillte Frauen gesehen. Und keine zerzausten Feger mit Strapsen, High Heels, Arschgeweih und Ausschnitt bis zum gepiercten Bauchnabel. 

 Oder hat jemand gesehen, dass unser Vorsitzender und OB-Kandidat Franz Frey als „Hugh Hefner aus Unterliederbach“ in einem Testosteronanfall 15 knapp bekleidete Blondinen auf dem Teppich vor sich her geschoben hat? Nee, das waren Bauklötze, die ihm seine Enkel vor den Holzbagger gelegt hatten. 

Und unser Spitzenkandidat Klaus Österling hat auch nicht im schwarzen Gummidress als Fraktions-Dominator in Fetisch-Manier das Rippchen auf dem Teller mit nem Lederriemen gezüchtigt. Sondern ganz artig im Anzug mit Messer und Gabel seine Leibspeise fürsorglich aufmunternd zugelächelt. Und damit wirklich niemand auf erotische Gedanken kommen konnte, stand auf dem Bembel neben seinem Teller dick und fett „Zum Lahmen Esel“. Das war zwar der Name der Ebbelwoi-Kneipe, wo das Foto fürs Großflächenplakat geschossen wurde. 

Aber sind wir mal ehrlich, die Wahlkampfleitung hat wirklich alles getan, damit niemand, aber auch niemand auch nur annähernd auf die Idee kommt, die SPD wolle mit einem Schuss Erotik die Schwarzen und die Grünen becircen, um auch in Zukunft als unverzichtbarer Kohabitionspartner im nächsten Dreier oder Vierer im Römer wieder mitzumischen. 

Um also irgendwie erotisch zu wirken, brauchte die SPD dann ne Kuh. So ein kleines, harmloses Geschöpf, das durfte es aber faustdick hinter den Ohren haben. Diese kleine Kuh hatte sich in den großen starken Stier verknallt und hat versucht, ihn flach zu legen. So gut das eben geht. Ich finde das ziemlich emanzipiert von dem Vieh, die wollte nicht abwarten, bis mal irgendein Hornochse vorbei trudelte, um mit ihr Antragsberatung zu machen. Und liebe Leute, wen hätte die Kuh denn sonst anhimmeln sollen? Franz Frey oder Klaus Österling? Da hätte der sozialdemokratische Kuhstall sicher aber noch mehr gewackelt. 

All´ das, sagen die Jusos, ist in Zukunft nicht mehr politisch korrekt. Keine Kühe, keine Werbung, keine Erotik. Nur noch Inhalte pur, Alfred Tetzlaff lässt grüßen. Mal gespannt, wann die Frankfurter SPD beschließt, dass wir zum Lachen nicht mehr ins Kino, sondern in den Keller gehen. 

Wäre der E 9 von der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischen Frauen gekommen, hätte ich das ja noch als politisch korrekt abgebucht. Aber die Jusos, die ihr ganzes erotisches Leben eigentlich noch vor sich haben, sagen „No“. Jungs und Mädels: no sex = no risk = no fun. Leute, Alice Schwarzer wäre stolz auf Euch. 

Klar, wir machen am nächsten Samstag dann Business as usual, Schaufensteranträge gegen Fundamentalismus und Extremismus, gegen Kopftücher, Ehrenmorde und stimmen für die Befreiung der afghanischen Frauen von der Burka. Und um zu zeigen, wie perfekt wir sind, beschließen wir dann auch auch noch den E 9, der die Frankfurter SPD endgültig ins politische Absurdistan katapultiert. Ich hoffe mal, dass das Wahlergebnis die Frankfurter SPD am 12. und 13. Mai auf den Boden der Tatsachen zurück bringt. Noch mal 20 Prozent brauch´ ich nicht.

Freitag, April 14, 2006

Herr A. aus Tokyo

Ich hab´s getan. Mich hat die Idee des "Zu Gast bei Freunden" inspiriert. Und ich hab ein WM-Zimmer für ein paar Tage bei Immoscout 24 inseriert. Wollt mal kucken, wer sich da so meldet. Zwei Engländer waren an ner Woche interessiert (sie beschrieben sich als ruhige Studenten, die die Partie gegen Paraguay hier in Frankfurt kucken wollten). Dann schrieb ne Russin, die aber eher nach "mein Touristenvisum ist noch nicht klar, aber ich komme" klang. Und ein Österreicher, der anfragte, ob es auch ein paar mehr Ösis sein könnten, sie wären eigentlich zu sechst und für wie viele das Zimmer reiche. Und vorgestern dann Herr A., per E-Mail aus Tokyo, ob das WM-Zimmer noch frei sei. Sehr freundlich, irgendwie passte mir der Schreibstil, so höflich formuliert. Da hab ich zugesagt. Und gehör jetzt zu den Frankfurtern, die "Zu Gast bei Freunden" während der Fussball-WM eben ein bisschen "mehr" praktizieren. Nicht nur Fahne schwenken und nen Button tragen. Die Idee des "Zu Gast sein" hat mich ein bisschen an früher erinnert. Ans Fliegen. Da hab ich oft Menschen unterwegs kennengelernt, die nett und zuvorkommend waren, und mir manchmal einfach nur weitergeholfen haben. Und irgendwas davon kann ich jetzt, wenn alle Welt im Juni auf Deutschland schaut, eben wieder zurück geben. Und das hat mir an der Idee des WM-Zimmers zu vermieten irgendwie gut gefallen. Herr A. aus dem fernen Japan ist herzlich willkommen.

Donnerstag, März 30, 2006

39162 Stimmen und ein dickes Danke schön!

Sorry, ich hab´s leider net geschafft, ins Stadtparlament zu kommen. Bin zwar von Platz 38 auf Platz 35 vorkumuliert worden. Aber es hat nicht gereicht. Hätte die SPD ihre 30 Prozent gehalten, wär ich sicher nächstes Jahr Nachrücker ins Stadtparlament. So sind jetzt 13 Leute vor mir auf der Liste, da die SPD nur noch 22 Sitze im Stadtparlament hat. Und dass die alle bis zur nächsten Kommunalwahl in fünf Jahre aufhören oder ihr Mandat net annehmen, damit ich reinkomme, dass ist so wahrscheinlich wie Ostern an Weihnachten. An absoluten Stimmen habe ich allerdings 39.162 Stimmen erhalten, das ist wirklich ein super Ergebnis! Wenn man sich die unveränderten Stimmzettel für die SPD vom Bloody-Sunday ankuckt (also alle, die nur ein Listenkreuz hatten, die wurden am Sonntag ja zuerst ausgezählt), heißt das für mich, dass ich 22.702 Stimmen über die SPD-Liste bekommen habe. (2.111.286 Listen-Stimmen für die SPD dividiert durch 93 Kandidaten, weil da ja jeder eine Stimme ohne extra Kreuz bekommen hat) D.h. aber auch, dass ich 16.460 Stimmen (!!!!!!) durch Kumulieren und Panaschieren dazu bekommen habe. Also das ist doch einwandfrei ein super Ergebnis. Oder anders gerechnet: mir haben (mindestens) 5487 Wählerinnen und Wähler extra Stimmen gegeben (wenn mir jeder alle 3 Stimmen gegeben hat, wenn nicht, waren es sogar noch mehr Leute, die mich angekreuzt haben). Das Ergebnis ist auch Euer Erfolg. Von Euch allen, meinen Kindern und Freunden, meinen Förderern und Supportern, meinem Frisör, den Websozis und den VOVler, meinen Genossen und Arbeitskollegen, der Frankfurter Presse, den Oberrädern und Sachsenhäusern ganz besonders und vielen Frankfurter Bürgerinnen und Bürgern. Vielen Dank für die Unterstützung meiner Kandidatur mit Eurer/Ihrer Stimme. Ohne Sie alle wäre im allgemeinen Fiasko für die SPD so ein Ergebnis für mich nicht möglich gewesen. Das motiviert mich, weiterzumachen. Klappt dann halt in 2011 :-)

Sonntag, März 26, 2006

26. März 2006

Wow, bin jetzt doch ziemlich aufgeregt, wie die Kommunalwahl in Frankfurt heute ausgeht. OK, das endgültige Wahlergebnis liegt ja erst am nächsten Mittwoch oder Donnerstag vor. Zwischendrin hatte ich mal nen Tief, da war ich sicher, dass ich nie mehr kandidiere. Zu viele tote Heringe haben mir irgendwann den Rest gegeben. Aber: ich muss mich bei "Dir" bedanken, Du hast mich die letzten Wochen motiviert, manchmal amüsiert, manchmal geärgert. Aber immer wieder angespornt, nicht nachzulassen. Irgendwo zwischen Bayrischem Wald und dem Pazifik liegt jetzt die Antwort. Mal sehen, wohin die Frankfurter Bürgerinnen und Bürger die Reise gehen lassen. Fazit: Ich hab mehr Leute kennengelernt, als ich verkraften kann. Auch wenn es schade ist. Und: Frankfurt ist ne g... Stadt, besonders wenn man abends in Kneipen auf Wahlkampftour ist oder im Sonnenschein am Main flaniert und Postkarten verteilt. Wirklich witzig, auch wenn ich vermute, dass heute weniger als 40 Prozent in Frankfurt zur Wahl gehen werden. Aber der Countdown läuft, noch fünf Stunden, und dann gibt es ein Ergebnis.

Freitag, März 17, 2006

Wahl mit 93 Stimmen

Hugo Müller-Vogg hat letzte Woche in seinem Blog unter "Schröder als Animateur für `Heuschrecken´, Klinsmann als Freizeit-Fanatiker, Wahl mit 93 Stimmen" was über meinen Internet-Film geschrieben. Haben mir David und Marco zur Kommunalwahl programmiert. Cool, cool, cool. Der Film. Und Hugos Wochenschau im "Äppler": ... Freitag: Am 26. März, werden in Hessen neue Kommunalparlamente gewählt. Manche Wähler stöhnten laut, als Ihnen die Musterstimmzettel von der Größe eines Couchtisches zugestellt wurden. Denn wir haben bei dieser Wahl nicht nur eine Erst- und Zweitstimme, wie bei der Bundestagswahl, sondern viel mehr Stimmen - so viele, wie Stadtverordnete zu wählen sind. In Frankfurt zum Beispiel sind das genau 93. Um beim Beispiel Frankfurt zu bleiben: Diese 93 Stimmen kann man auf 93 Kandidaten verteilen. Dabei kann man einem Bewerber bis zu 3 Stimmen geben ("kumulieren"). Auch kann man Kandidaten verschiedener Parteien ankreuzen ("panaschieren"). Über diese Möglichkeit sollte man nicht klagen, sondern sie als Chance begreifen, mehr Einfluß auf die Zusammensetzung des Stadtparlaments zu haben als mit nur einer Stimme. Allerdings: Man muss schon aufpassen, dass man nicht ungültig wählt. Wie´s geht, das hat einer der Söhne der Frankfurter SPD-Kandidatin Petra Tursky-Hartmann in einem kleinen Film gezeigt und ins Internet gestellt: www.waehl-meine-mom.de. Natürlich wird in diesem Film zum Schluß die Wahl der SPD-Frau empfohlen. Aber als Lernhilfe ist er dennoch für alle Wähler geeignet. Übrigens: Wem das Kumulieren und Panaschieren zu kompliziert ist, der kann es sich auch ganz einfach machen. Er kreuzt einfach die Liste einer Partei an - und fertig. Dann gehen alle seine Stimmen an diese Partei seiner Wahl, aber ohne dass einzelne Kandidaten bevorzugt würden. Das komplizierte Wahlrecht ist also kein Grund, nicht zu wählen!

Mittwoch, März 15, 2006

Eine Kuh macht Muh

... und 100.000 Kühe machen Mühe. Danke Sascha!!! Es leben die virtuellen Welten Wer weiß, wie man ein Schlauchboot aus der ultimativen Welle manövriert, wird verstehen, wovon ich hier rede.

Montag, März 13, 2006

In Frankfurt wackelt der (Kuh)Stall

Also, ich tauch mal für ein paar Minuten aus´m kommunalen Kuhstadl auf und berichte live aus dem Wahlkampf:

1. Es gab ne Menge Aufregung um den SPD Kino-Spot mit ner niedlichen Kuh (kuckst Du hier: http://www.spd-frankfurt.de/infomaterial/downloads/SPD_SPOT_M.mp4)

2. Die Statistik von www.spd-frankfurt.de sagt, dass der Kuh-Trailor die letzten 4 Tagen knapp 30.000 mal runtergeladen wurde (sind sicher alles Fliegen, die sich im Stall mal nen Bild von der Kuh-Kacke machen wollten)

3. Richtig aufgeregt haben sich eigentlich nur die üblichen Verdächtigen, die da wären:

a) Die CDU. Das kommt wie ne Mischung aus Neid und Psychostress rüber. Denn seit wann haben Mütter (dafür steht für die Schwarzen die Kuh) guten Sex (dafür gibt es bezahlte Professionelle). Da kam das Weltbild ins Wackeln, besonders als einige tapfere Sozialdemokratinnen sagte: Ja, wir machen lustvoll Politik, als Mütter und in Straps, je nachdem, was uns nutzt und wir haben Spaß dabei. Juchu 
b) Dass das politisch nicht korrekt ist, hat uns meine Vorturnerin Ulli Nissen von der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen (ASF) belehrt. Und ich überleg gerade, wie ich aus der ASF austrete (ist man per Geschlecht Zwangsmitglied). Denn mit so beknackten Quotentussis hab ich nix am Hut. Warum kann Politik keine lustvolle Angelegenheit sein? Bin ich ne dumme Kuh, weil mich so ein Spot amüsiert? Also: Mir gefällt das braune Mistvieh, die klimpert so schön wie Bambi mit den Wimpern, sucht eine Lösung, um den ach´ so störrischen Wähler (dafür steht der schwarze Stier, nein, damit ist nicht Udo Corts gemeint) zu becircen. Und lässt auch mal den Stall wackeln, um zu signalisieren: "Ja wir leben noch". Trotz Mehrwertsteuererhöhung und Rentenloch und Vogelgrippe und überhaupt, die Lust am Leben ist noch da. 

"Bösartig" findet der Psychoanalytiker Rolf Haubel im Interview mit der Frankfurter Rundschau vom 10.03.2006 den Comic-Strip nicht. Auch nicht frauenfeindlich. "Wenn man das für frauenfeindlich hält, wären 95% der Werbung frauenfeindlich", erklärte der Professor, der das Sigmund Freud-Institut zusammen mit Marianne Leuzinger-Bohleber leitet.

Der Clip macht mehr Spaß als Infostände und Plakatierung bei Minus 4 Grad Celsius.