Montag, Dezember 15, 2008

Wirklich wieder Koch?

tja ... wer hätte das gedacht. Am 18. Januar 2009 ist es wieder so weit.

Freitag, April 18, 2008

Wer raucht, sieht kaltblütig aus

Vor zwei Jahren hatte ich schon mal das Vergnügen, die Frankfurter SPD mit einem Beitrag zur Erotik vor ihrer Lustfeindlichkeit zu bewahren. Wenn damals jemand prognostiziert hätte, dass ich - als Nichtraucherin - zwei Jahre später auf dem SPD-Parteitag eine Lanze fürs Nikotin breche, dann hätte ich das sicher nicht geglaubt. Aber gut, nun also ist die Zeit reif für ein paar Gedanken zum Rauchen.

Zigaretten, Alkohol, Fastfood, Fett. Mit immer härteren Verboten dringt der Staat zunehmend tiefer in die Privatsphäre seiner Bürger ein. Auf der Watch-List steht heute im Prinzip eigentlich alles, was Spaß macht. Und die ansonsten so oft gescholtene Industrie sekundiert mit Wellness-Ratgebern und Light-Produkt-Empfehlungen. Wir leben optimiert, austariert, umsorgt und gepäppelt. Dass wir dabei längst normiert und ausspioniert werden, fällt kaum ins Gewicht bzw. auf.

"Wer raucht, sieht kaltblütig aus". Dieser Satz stammt nicht von mir sondern von Brecht. Für ihn zählten Zigarren wie Kriminalromane zu "unverzichtbaren" Produktionsmitteln. Was wäre aus diesem Dichter heute ohne Glimmstängel geworden? Wie glaubt der Gesetzgeber entsteht Kunst? Bei Mineralwasser? Im Spaßbad?? Unter Joggern???

Wer heute raucht, sieht leider meist nicht sonderlich kaltblütig aus, sondern eher so, als ob es ihn kalt erwischt hätte. Denn ausgestoßen frieren die Nikotinabhängigen vor Kneipen, Restaurants und Bars. Während es früher die coolsten Typen und die schlauesten Köpfe waren, die rauchten, ist heute die Zigarette das Symbol von Losern, Prekariatsangehörigen und undisziplinierten Kerlen.

Früher stand die Zigarette für Rebellion und sexuelle Anziehungskraft. Wer sich lässig den Glimmstängel in den Mundwinkel klemmte, verstand Humphrey Bogart, Marlon Brando oder Marlene Dietrich. In den 447 Top-Ten-Filmen von 1990 bis 2000 rauchten laut einer Studie des Michael's Medical Center dagegen nur noch 24 Prozent aller Schauspieler. Und davon war wiederum für die Hälfte die Kippe das Markenzeichen des Verlierers. Wahrscheinlich erlegt selbst der Marlboro-Man den Büffel mittlerweile ohne Glimmstängel. Die große weite Welt, sie riecht nicht mehr nach Abenteuer. Sie riecht nach Sagrotan.

1919 hat der Soziologe Georg Simmel den Ersatz der behäbigen Zigarre durch die schlanke Zigarette als Symptom für die Kurzatmigkeit unserer modernen Welt gesehen. Was aber hat die komplette Auslöschung aller Tabakwaren aus unserem öffentlichen Leben nun zu bedeuten? Wenn im Alltag einer Gesellschaft keine Orte mehr für den Genuss, für Ausschweifungen oder gar Exzesse vorgesehen sind, dann sind wir auf dem besten Wege in eine therapeutische Sicherheitsgesellschaft.
Es geht also nicht nur um den Nichtraucherschutz, den ich übrigens in Restaurants oder öffentlichen Gebäuden außerordentlich begrüße. Dieses Gesetz verströmt eine generelle Lust am Verbot, der über ein vernünftiges Nebeneinander triumphiert.

In den Sachsenhäuser Antrag "Nichtraucherschutzgesetz für Ein-Raum-Kneipen novellieren" geht es uns konkret um die Frage, wie weit der Staat beim Nichtraucherschutz gehen darf. Und da bin ich der Meinung, dass es einige wenige Orte, wie zum Beispiel Einraumkneipen für die wahrlich arg gebeutelten Gastwirte und Raucher geben muss. Für sie hat die kleine Kneipe auch eine wichtige soziale Funktion. Denn sie dient Losern, Prekariatsangehörigen und undisziplinierten Kerlen, sich mit der Zigarette für einen kleinen Moment wie Humprey Bogart zu fühlen, der den Duft der großen weiten Welt verspürt.

Samstag, März 01, 2008

Nichtraucherschutzgesetz für Ein-Raum-Kneipen wie in Rheinland-Pfalz und dem Saarland gestalten

Mein Ortsverein, die SPD Sachsenhausen, hat bei ihrer Jahreshauptversammlung am 1. März 2008 folgenden Antrag beschlossen:

Nichtraucherschutzgesetz für Ein-Raum-Kneipen wie in Rheinland-Pfalz und dem Saarland gestalten

Der Parteitag möge folgendes beschließen:

Die SPD Sachsenhausen fordert die SPD-Fraktion im Hessischen Landtag auf, das Hessische Nichtraucherschutzgesetz bezüglich inhabergeführter Kneipen, d.h. ohne angestellte Mitarbeiter, entsprechend dem Nichtraucherschutzgesetz des Saarlandes zu novellieren.

Begründung:

Seit November 2007 ist das Hessische Nichtraucherschutzgesetz in Kraft, das bestimmt, dass das Rauchen in Gaststätten nur in vollständig abgetrennten Nebenräumen gestattet ist. Diese Räume sind ausdrücklich als Raucherräume zu kennzeichnen und müssen so beschaffen sein, dass andere Personen durch den Rauch nicht beeinträchtigt werden.
Im Saarland dagegen ist das Rauchen in Gaststätten erlaubt, wenn die Gaststätte inhabergeführt ist. Dies setzt voraus, dass neben der Betreiberin oder dem Betreiber der Gaststätte keine weiteren Personen als Beschäftigte im Sinne des § 21 des Gaststättengesetzes oder als Selbständige im laufenden Gastronomiebetrieb tätig sind, sofern es sich hierbei nicht lediglich um eine gelegentliche Mithilfe von volljährigen Familienmitgliedern der Betreiberin oder des Betreibers handelt.

Der Verfassungsgerichtshof des Landes Rheinland-Pfalz hat Mitte Februar entschieden, dass in inhabergeführten Ein-Raum-Gaststätten, die keine weiteren Mitarbeiter beschäftigen, das Rauchverbot des rheinland-pfälzischen Nichtraucherschutzgesetzes vorläufig ausgesetzt wird. Vorgabe ist, dass die Gaststätten im Eingangsbereich deutlich auf die Raucherlaubnis hinweisen müssen. Bis zu einer Entscheidung in der Hauptsache einer laufenden Verfassungsbeschwerde vor dem Bundesverfassungsgericht ist in rheinland-pfälzischen Eckkneipen und kleinen Ein-Raum-Betrieben das Rauchen gestattet.

Der Antrag soll nicht als Absage an den Nichtraucherschutz verstanden werden. Die vergangenen Monate haben auch gezeigt, dass die Umsetzung des Rauchverbotes in den meisten Restaurants problemlos funktioniert. Allerdings gibt es erhebliche Probleme in Einraumbetrieben wie Kneipen oder Bars, in denen oft die Mehrzahl der Stammgäste Raucher sind. Hier fürchten viele Gastronomen zu Recht um ihre Existenz.
Mal gespannt, ob die 350 Delegierten der Frankfurter SPD auf ihrem Parteitag am 19. April diesem Antrag folgen.

Samstag, Februar 16, 2008

Ciao VOV

Abschlussbericht der Vorsitzenden

Nach fünf Jahren Vorsitz (von 2002-2007) im VOV fasse ich zum Abschied mal ein paar Punkte zusammen:

Ich war gerne Vorsitzende des VOV, sowohl von 2002-2004 im Team mit Axel Schudak und ab 2005 mit Sascha Boerger. Ganz besonders danken möchte ich dem Postmaster Wolfgang Kueter, der in den vergangenen (zehn?) Jahren den reibungslosen Server-Betrieb für den VOV sichergestellt hat.

Betreffend der Mailinglisten-Struktur finde ich die Lösung des VOV nach wie vor praktisch, da sie Genossinnen und Genossen, die im Ausland leben oder mit Modem und ohne DSL online gehen, die Chance bietet, sich an unseren Diskussionen zu beteiligen. Die Technologie des VOV war immer der kleinste gemeinsame Nenner, aus Solidarität auf einfachste Mittel und knowhow zu setzen, um niemand aus dem Diskussionsangebot auszugrenzen. Dadurch wirkt der VOV heute auch etwas verstaubt. Wenn ich mir im Vergleich dazu allerdings www.meine.spd.de ansehe, kann ich mir in Anbetracht des bunt virtuellen Durcheinanders bei Missionen und Blogs ein alters-mildes Lächeln nicht verkneifen. Ich bedanke mich beim bisherigen Webmaster-Team und wünsche dem Neuen ein glückliches Händchen, in der Hoffung, dass ihr den Integrationsansatz des VOV aber auch so etwas für "Führung und Übersichtlichkeit" statt virtuelles Durcheinander nicht aus dem Auge verliert.

Weit über 90 Prozent aller Beiträge des VOV befassen sich mit allgemein-politischen Themen bzw. der SPD als Parteiorganisation und weniger als 10 Prozent der Beiträge mit dem eigentlichen Kernthema Internet, wofür der VOV mal gegründet wurde. M.E. kompensiert der VOV da in der SPD ein Defizit, das die klassische Struktur der Gliederungen (alle vier Wochen eine Vorstandssitzung ist eben nicht immer zeitnah zu politischen Ereignissen) nicht kompensiert. Aber auch hier gibt es für mich einen Wermutstropfen. Ich werde mich nach mehr als 10 Jahren Mitgliedschaft nicht daran gewöhnen, in welch ätzendem Stil manche Genossinnen und Genossen hier in die Tastatur greifen. Politische Kritik muss sein, aber ein Teil der Angriffe empfinde ich nicht als Polemik oder Ironie oder Satire, sondern gezielt als persönliche Verletzung, die mich abstößt und mir die Lust am Lesen und Antworten raubt. Das ist - neben einem Zeitproblem - sicher mit ein Grund gewesen, hier weniger zu schreiben. Aber kein Grund, um nicht wieder als Vorsitzende zu kandidieren.

Fakt ist, dass mein politisches Ziel, den Status des VOV dahingehend zu verändern, damit dieser Arbeitskreis auf Bundesebene Antragsrecht erhält, am anhaltenden Widerstand des Willy-Brandt-Hauses (steht sinnbildlich für einzelne PV-Mitglieder bzw. Bundesgeschäftsführer und Generalsekretäre) gescheitert ist. (Aber auch das ist auch nicht die Ursache, nicht mehr für den VOV-Vorsitz zur Verfügung zustehen).

Der Status des VOV in der SPD ist seit seiner offiziellen Gründung am 27. Januar 1997 - also vor mehr als zehn Jahren - der eines Arbeitskreises in der SPD. Auslöser für mein Bestreben auf Anerkennung als Projektgruppe mit Antragsrecht war im Jahr 2002 der Beschluss des VOV für ein "Recht auf Information". Dieser wurde damals aus formalen Gründen ("der VOV hat kein Antragsrecht") im Regierungsprogramm 2002-2006 nicht berücksichtigt. Das hatte den Antrag "Anerkennung des VOV (Virtueller Ortsverein) als Projektgruppe", zur Folge, der bis heute - trotz Beschluss des Bundesparteitags 2003 in Bochum - vom PV nicht umgesetzt wurde. Stand heute ist, dass der VOV seine Anträge (die in den vergangenen Jahren allerdings auch immer spärlicher wurden) nach wie vor über Mitgliederversammlungen von Ortsvereinen einbringt und nicht wie Jusos, ASJ, AGS oder andere Arbeits- und Projektgruppen der SPD über ein eigenes Antragsrecht an Bundesparteitage einbringen kann. Das gleiche Schicksal wie der Antrag "Recht auf Information" erlitt dann im Jahr 2004 der VOV-Antrag zu Softwarepatenten und im Jahr 2005 der VOV-Antrag zum Thema Vorratsdatenspeicherung. Mag sein, dass im PV zum damaligen Zeitpunkt das Knowhow fehlte, um mit solchen Anträgen vernünftig umzugehen. Aber Fazit ist, dass man so "von oben herab" leider nicht die Basis motiviert, um sich per demokratischer Willensbildung in seiner Partei einzubringen. Als "Relikt" fürs virtuelle Archiv habe ich den damaligen Antrag auf Anerkennung des VOV als PG mit Antragsrecht noch mal an meinen Rechenschaftsbericht angehängt.

Mein Entschluss, nicht mehr als Vorsitzende des VOV zur Verfügung zu stehen, war sicher von der Art und Weise, wie der PV - oder die ausführenden Gremien im Willy-Brandt-Haus - mit dem Wunsch nach einem eigenständigen Antragsrecht umzugehen - beeinflusst. Aber Hauptmotiv für mich ist, dass ich
a) mehr Zeit für das reale Leben haben möchte, auch das reale politische Leben in Frankfurt bzw. in Hessen und
b) ich immer der Meinung bin, dass ein Vorsitzender oder eine Vorsitzende nicht nur ein Verwaltungsorgan ist, sondern eine Perspektive für die Zukunft haben sollte, warum er/sie die politische Macht anstrebt und wofür er/sie dieses Mandat einsetzen will. Deshalb wünsche ich der Wahl und den Kandidaten viel Erfolg für die Zukunft.

Zum Abschied möchte ich allen Vorstandsmitgliedern der vergangenen Jahre für ihr Engagement und das sehr kooperative Klima im VOV-Vorstand danken. Traurig war ich über den Tod der Vorstandsmitglieder Helmut Pohl und Hans Peter Rangol, besonders wenn man sich über die virtuelle Vorstandsarbeit hinaus persönlich kennen gelernt hat. Reale Treffen helfen, Missverständnisse ab- und Vertrauen aufzubauen.
In diesem Sinne Glück auf

solidarische Grüße
Petra Tursky-Hartmann
Vorsitzende des VOV

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Antrag: Anerkennung des VOV (Virtueller Ortsverein) als Projektgruppe
Die SPD Ortsverein Sachsenhausen-Ost stellt den Antrag auf Umwandlung des bisherigen Status des Virtuellen Ortsvereins (VOV) von einem Arbeitskreis in eine Projektgruppe, dem das Antrags- und Rederecht für Bundesparteitage zusteht.

Begründung:

In Anbetracht der ständig sinkenden Mitgliedszahlen ist es für die SPD von immenser Bedeutung, moderne Organisationsformen zu entwickeln und zu leben. Um politisch engagierten Menschen ihr Engagement in und für die SPD besser zu ermöglichen, muss es neben dem Ortsverein neue Formen der Willensbildung geben. Dadurch lassen sich neue Zielgruppen erschließen und für die SPD gewinnen. Ein Beispiel für die gelungene Arbeit einer Zielgruppe ist der Virtuelle Ortsverein der SPD (VOV), der 1995 auf dem Mannheimer Parteitag als Projekt von engagierten Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten ins Leben gerufen und 1997 als Arbeitskreis von der SPD anerkannt wurde.

Der VOV ist ein Arbeitskreis von Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten im Internet. In ihm kommen Menschen, die der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) angehören oder ihr nahe stehen über das Internet zusammen. Der Virtuelle Ortsverein (VOV) ist als nicht eingetragener Verein organisiert. Die Mitglieder des VOV kommunizieren mit Hilfe eines elektronischen Postverteilers und öffentlich in den Diskussionsforen (sogenannte Newsgroups) im Internet. Die politischen Diskussionen beschäftigen sich dabei schwerpunktmäßig mit rechnergestützter Kommunikation und der Entwicklung der Informationsgesellschaft ohne hierauf begrenzt zu sein.

Ziel des VOV war und ist, die Möglichkeiten des Internets für die politische Arbeit der SPD zu erforschen. So wurden durch eine demokratische Selbstorganisation mit Abstimmungen und Wahlen neue Formen der Kommunikation in den elektronischen Netzen entwickelt und erprobt. Dieses Know-How wurde und wird den verschiedenen Gliederungen der SPD zur Verfügung gestellt, um die Darstellung der SPD im Internet zu optimieren.

Der VOV tagt - im Gegensatz zu realen Ortsvereinen - rund um die Uhr, sieben Tage in der Woche, 356 Tage im Jahr. Bis im vergangenen Jahr hat der VOV einen recht stürmischen Mitgliedszuwachs erfahren.

Zur Zeit zählt der VOV ca. 1000 Mitglieder. Differenziert nach Geschlecht, Alter, Parteizugehörigkeit und Wohnsitz im Ausland zeigen die Daten, dass seit der Gründung lediglich der demografische Faktor "Alter" eine Veränderung erfahren hat. Lag vor fünf Jahren das Durchschnittsalter bei 34 Jahren, so liegt das Durchschnittsalter heute bei 39 Jahren. Der Frauenanteil im VOV beträgt seit Anerkennung als Arbeitskreis 10 Prozent. 85 Prozent der Mitglieder des VOV sind auch Mitglied in der SPD. Die große Mehrheit der Mitglieder des VOV lebt in Deutschland, ca. fünf Prozent der Mitglieder leben z.Zt. - meist beruflich bedingt - in 19 Ländern außerhalb der Bundesrepublik. Ihnen bietet der VOV die Möglichkeit, sich auch außerhalb ihres realen Wohnsitzes weiterhin aktiv an Diskussionen über sozialdemokratische Politik zu beteiligen.

Anträge und Wahlen finden im VOV virtuell nach ausgiebiger Meinungsbildung und Diskussionsphase statt. Um über das Thema Internet und Neue Medien neue Zielgruppen für die SPD zu erschließen, strebt der VOV die Anerkennung als Projektgruppe an, um Antragsrecht für reale Bundesparteitage zu erhalten. Um Erfahrungen, wie z.B. zum Thema "Softwarepatente" in die Antragsberatung einfließen zu lassen, braucht der VOV Antragsrecht für Parteitage. Aufgrund seines Status jetzigen Status als Arbeitskreis kann der VOV - trotz intensiver inhaltlicher Debatte - keine Anträge stellen, um sich an einer demokratischen Willensbildung in der SPD zu beteiligen.

Das besondere am VOV ist - vergleichbar den Jusos - dass auch Nicht-SPD Mitglieder an der innerparteilichen Meinungs- und Willensbildung beteiligt werden. Der VOV ist hier offen für die Kompetenz von Nicht-SPD Mitgliedern. Diese Offenheit hat sich als fruchtbare Bereicherung vieler Diskussionen erwiesen. Nichtsdestotrotz ist seit der Gründung des VOV der Anteil der SPD Mitglieder relativ konstant um 85 Prozent geblieben. Dies deutet darauf hin, dass eine vorhergehend lose Beteiligung an einem virtuellen Projekt wie dem VOV sich für die Partei langfristig in Mitgliedschaften oder zumindest in Wahlergebnissen für die SPD niederschlägt. Die Mitarbeit von Nicht-SPD Mitgliedern sollte deshalb in der Anerkennung als Projektgruppe explizit - vergleichbar dem Statut der Jusos (§10 Abs.2) - möglich sein.

Der Weg, Anträge im VOV zu formulieren und diese dann über Ortsvereine in den Weg der Willensbildung einzuspeisen, ist denkbar, wird aber dem VOV in seinem Anliegen nach eigenverantwortlicher Mitwirkung an der Willensbildung nicht gerecht. Ein eigenes Antragsrecht für den VOV ist deshalb demokratischer und ehrlicher als jeder Umweg über einen realen Ortsverein.

Der VOV ist jedoch ein Experiment, das seit 1995 mit Erfolg zeigt, dass Willensbildung sowohl vertikal als auch horizontal funktioniert. Die Anerkennung als Projektgruppe mit Antragsrecht bietet die Möglichkeit zukunftsorientierter Beteiligung in einem schwächer werdenden hergebrachten Umfeld klassich-politischer Betätigung.

Donnerstag, Januar 17, 2008

Zensur bei Kandidatenwatch.de

Hab heute eine E-Mail an die Schirmherrin von "Kandidatenwatch" geschrieben und gegen die dort herrschende Zensur protestiert. So geht es nicht.

Passiert war folgendes, hatte am 13. Januar von Dirk Henninger aus Frankfurt über www.kandidatenwatch.de bzgl. des Themas "Umwelt" die Frage gestellt bekommen, wie ich denn persönlich zur SPD-Umweltpolitik und den Ideen von Herrn Scheer (speziell zum Thema Windkraft-Anlagen)? stehe. Das habe ich noch am gleichen Abend beantwortet:

Ernst Ulrich von Weizsäcker hat über Hermann Scheer gesagt: "Hermann Scheer legt sich mit vielen Goliaths auf unserem Planeten auf einmal an. Die Welt braucht Pioniere wie ihn." Diese Auffassung teile ich uneingeschränkt. Als Vorsitzender des Weltrats für Erneuerbare Energie, der 1999 mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet wurde, hat Hermann Scheer mit "Neue Energie für ein atomstromfreies Hessen" ein Konzept vorgelegt, dass die Hessische SPD nach dem 27. Januar 2008 umsetzen wird. Ich bin überzeugt, dass der Stromwechsel hin zu Erneuerbaren Energien bis hin zum vollständigen Ersatz atomarer und fossiler Energien technisch lösbar ist. Die SPD in Hessen will den raschen Ausstieg aus der Atomwirtschaft, da die Nutzung der Kernenergie aufgrund der ungeklärten Entsorgungsproblematik, der volkswirtschaftlich hohen Kosten und des unvertretbar hohen Risikos für eine nachhaltige Energieversorgung in unserem Land ungeeignet ist. Nur Erneuerbare Energien garantieren eine nachhaltige, ökonomisch und ökologisch sinnvolle und unabhängige Energieversorgung der Bevölkerung und schaffen neue Arbeitsplätze.Laut einer Studie der Deutschen Bank ist Deutschland mit einem Anteil von 28 Prozent an der global installierten Windleistung Spitzenreiter vor Spanien, den USA, Indien, Dänemark und China. 60 Prozent der Windstromerzeugung in Deutschland stehen für die Grundlast zur Verfügung. Die Behauptung der CDU, dass Solar- und Windstrom nicht grundlastfähig seien, halte ich für eine reine Techniklüge. Wenn die Hessen-CDU jetzt die Kreistage auffordert, alle rechtlichen Spielräume auszuschöpfen, um neue Windkraftanlagen zu verhindern, erteilt sie einer wichtigsten Zukunftstechnologien dieses Landes eine klare Absage und verschärft die Abhängigkeit der Hessen von fossilen und atomaren Energien.

Was ist danach passiert? Die Moderation von Kandidatenwatch teilt mir am 15. Januar mit, dass sie diese Mail nicht freischalten, weil sie in die Kategorie "Beiträge, die keiner Frage oder Aufforderung zur Stellungnahme entsprechen, sondern bloße Meinungsäußerungen oder rhetorische Fragen sind" falle. Falls ich Fragen zur Moderationsentscheidung habe, sollte ich eine Rückmeldung geben, was ich auch umgehend getan habe. Und was passiert seitdem? Nix!

Deshalb habe ich heute der Schirmherrin Sarah Sorge eine Protest E-Mail mit folgendem Wortlaut geschickt:

Hallo Sarah
Da Du ja Schirmherrin von Kandidatenwatch bist, bitte ich Dich darum, dass meine Antwort auf die Frage von Dirk Henninger umgehend frei geschaltet wird. Es kann nicht sein, dass Antworten von Kandidaten zensiert werden und ich auf meine Frage, was die Zensur ausgelöst hat, keine Antwort mehr bekomme. Du weißt selbst, dass man am Ende im Wahlkampf von Hunderten von Mailanfragen überschüttet wird. Da ich keine Mitarbeiterin habe, mache ich mir abends nach den Veranstaltungen immer die Mühe, alle Fragen zu beantworten, auch wenn das oftmals bis nach Mitternacht dauert. Ich habe aber noch nie erlebt, dass eine Antwort von mir nicht akzeptiert wurde.Ich hoffe mal, dass Du Dich dafür einsetzt - auch wenn Du meine Gegenkandidatin im Wahlkreis bist, dass meine Antwort frei geschaltet wird. Auf jeden Fall werde ich den gesamten Vorgang in mein Weblog setzen, denn es kann nicht sein, dass Kandidatenwatch sich solche Antworten herausnimmt, ich finde, das einen Skandal.Meine E-Mail geht cc an die Pressestelle der SPD. Und ich werde die anderen SPD-Kandidaten per E-Mail anfragen, ob sie auch Probleme mit Kandidatenwatch hatten. Ich war lange Jahre im Internet und im Usenet in den verschiedensten Foren aktiv, oftmals auch mit Moderatoren, die persönliche Beleidigungen und Diffamierungen nicht frei geschaltet haben. Eine inhaltliche Zensur wie von Kandidatenwatch, einer Plattform, die sich die virtuelle Demokratie auf die Fahnen schreibt, ist mir in dieser Form so noch nie begegnet. Aber vielleicht wird man ja besser behandelt, wenn man die geforderten 100 Euro spendet?"

Und jetzt schau´n mer mal, was passiert und wie lange es mit der Antwort dauert.