Montag, Januar 29, 2018

Basketball macht Schule 2018

Das Skyliners-Nachwuchsprogramm „Basketball macht Schule“ bringt Kindern zwischen sechs und zwölf Jahren den Basketballsport näher. In 2018 werden Trainingsstunden an 140 Schulen finanziert. An den wöchentlichen Angeboten beteiligen sich rund 3000 Schüler in Hessen.


Ermöglicht wird der zusätzliche Sportunterricht an der Bürgermeister-Klingler-Schulein Mörfelden-Walldorf durch die "medical airport service GmbH “, die gemeinsam mit ihrer Firmentochter „Terminal for Kids“ die Patenschaft für 3000 Euro übernahm. Mit dem Geld werden der Trainer bezahlt, aber auch Trikots und Bälle bereitgestellt. „Das ist unser Bekenntnis zum Standort“, sagte Petra Tursky-Hartmann, Pressesprecherin der medical airport service GmbH, die ihre Firmenzentrale im Mörfelder Gewerbegebiet hat und sich vor Ort sozial engagieren.

1998 gegründet, bietet die Tochterfirma des Flughafenbetreibers Fraport eine Betreuung und Beratung rund um Arbeitssicherheit und Arbeitsmedizin an. Der größte Kunde ist längst nicht mehr der Flughafen, sondern das Land Hessen. Rund 140.000 Landesmitarbeiter werden derzeit von der medical airport service GmbH betreut.

Mittwoch, Januar 24, 2018

Zurück in die Zukunft (Gastbeitrag in Neue Gesellschaft Frankfurter Hefte 1/2 2018)


Petra Tursky-Hartmann: Zurück in die Zukunft

Warum die SPD bis heute mit dem Digitalen fremdelt

(erschienen in "Neue Gesellschaft Frankfurter Hefte" 1/2 2018 Seite 40-44)

Der Virtuelle Ortsverein (VOV) der SPD galt in den 90er Jahren als Vorreiter für die virtuelle Parteiorganisation. Dennoch fremdelt die „alte Tante SPD“ bis heute mit der Art und Weise, wie Onliner Politik machen. Im Erneuerungsprozess der SPD fordert u.a. die Initiative SPD ++ mehr digitale Beteiligungsmöglichkeiten für Mitglieder. Warum tut sich die SPD so schwer mit diesem Thema? Stellen die Digitalen vielleicht mit ihrer Art und Weise, wie sie kommunizieren, das bekannte Machtgefüge in der Partei infrage? Oder haben sie die Verantwortlichen im Willy-Brandt-Haus durch ihre Kommunikationskompetenz so provoziert, dass diese sogar einen Bundesparteitagsbeschluss missachteten? Diese Fragen lohnen den Blick in die Anfänge sozialdemokratischer Netzpolitik, um herauszufinden, was sich innerparteilich ändern muss, damit die Partei für netzaffine Mitglieder (wieder) interessant wird. Denn die Menschen erwarten von der SPD konkrete Antworten auf die Probleme ihres Alltags, der zunehmend digital bestimmt ist. Sollte die Führung der SPD die Digitalisierung wie schon vor 20 Jahren nur als Machtfrage begreifen, verschenkt sie exakt das Potenzial, das für die Partei überlebensnotwendig ist.

Wenn heute die Initiative SPD ++ fordert, Themenforen online zu organisieren und ein Antrags- und Rederecht auf Bundesparteitagen zu etablieren, dann knüpft sie daran an, wie in den 90er Jahren digitale Politik vom Virtuellen Ortsverein praktiziert wurde. Parteimitglieder, die „etwas mit Computern“ machten, galten damals zwar noch als Nerds, aber es bewegte sich etwas in die richtige Richtung. Um besser zu verstehen, an welchen innerparteilichen Hürden die erste digitale Community in der SPD letztendlich gescheitert ist, ist ein kritischer Rückblick recht hilfreich. 

Um die demokratische Teilhabe aller Mitglieder in der SPD zu gewährleisten, ist die politische Willensbildung in der Partei formal von unten nach oben aus den Ortsvereinen heraus organisiert. Für besondere Aufgaben können Arbeitsgemeinschaften und/oder Projektgruppen mit Antrags- und Rederecht auf Parteitagen gebildet werden. Der Virtuelle Ortsverein war jedoch „nur“ ein Arbeitskreis, was für die Umsetzung seiner Beschlüsse weitreichende Konsequenzen hatte.

Der VOV war 1995 auf dem Mannheimer Parteitag von einer Handvoll junger, engagierter Menschen, die „der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands angehören oder nahestehen und ausschließlich übers Internet zusammenkommen“, gegründet worden. Als nicht eingetragener Verein sollten sich die Mitglieder selbst organisieren und über einen „elektronischen Postverteiler“ (E-Mails) bzw. öffentlich in Newsgroups miteinander kommunizieren. Wer sich heute über das Smartphone durch das Internet bzw. durch soziale Medien navigiert, dem müssen solche Technologien als tiefe digitale Steinzeit erscheinen. Doch Mitte der 90er Jahre gab es weder Facebook noch Google. Der Bundeskanzler hieß Helmut Kohl, und dieser hatte die Zuständigkeit für den Ausbau von sogenannten Informationshighways bei den Verkehrsministern der Länder verortet.

Als ich 1996 Mitglied im VOV wurde, verfügten kaum mehr als 5 % der Bevölkerung in Deutschland über einen Internetzugang. Die überwältigende Mehrheit der Nutzer war männlich, berufstätig, verfügte über ein überdurchschnittliches Ausbildungsniveau und war zwischen 20 und 39 Jahren alt. Die Frauenquote im VOV pendelte zwischen 9 und 10%. Dies verleitete übrigens einen (männlichen) Journalisten zu der Frage, warum sich die Virtuellen ausgerechnet eine Frau zur Vorsitzenden gewählt hätten? „91 % Männer können sich nicht irren“, habe ich ihm mit einem aufmunternden Smiley geantwortet. 

Am 27. Januar 1997 folgte die formale Anerkennung des VOV als „Arbeitskreis von Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten im Internet“. Boris Piwinger, Repräsentant des VOV, und Franz Müntefering, damals SPD-Bundesgeschäftsführer, formulierten in die (reale) Geburtsurkunde, dass der Virtuelle Ortsverein „… das Internet für die politische Arbeit der SPD erforschen“ solle. Ziel war es, diese neue Form der elektronischen Kommunikation für die Partei zu erproben und in Selbstorganisation Wahlen und Abstimmungen zu entwickeln. In weit über 30.000 Mails haben dies die Mitglieder des Virtuellen Ortsvereins von 1997 bis 2002 praktiziert. Und hatte die SPD mit ihrem Leitantrag „Auf dem Weg in die Informationsgesellschaft“ beim Bundesparteitag Anfang Dezember 1997 in Hannover – der Gerhard Schröder zum Kanzlerkandidaten kürte – nicht auch demonstrativ signalisiert, dass die an den politischen Fragen rund um die Digitalisierung interessierten Menschen in der Sozialdemokratie herzlich willkommen sind?

Die virtuelle Konferenz tagte damals jeden Tag rund um die Uhr, was sich deutlich vom Parteileben realer Ortsvereine unterschied, wo sich die Mitglieder eher nur einmal im Monat trafen. Das „Rund-um-die-Uhr-Mitmachangebot“ des VOV entpuppte sich als innerparteiliche „Marktlücke“ und führte zwischen 1997 und 2002 zu einem Mitgliederzuwachs von 300 auf über 1.000. Das exponentielle Wachstum konnte allerdings „den“ gravierenden Webfehler in der innerparteilichen Willensbildung nicht überdecken. Denn alle Anträge des VOV – ob nun zum Recht auf Information, zum Datenschutz, Domaingrabbing, Identitätsdiebstahl, zur Zukunft der Internetregulierung, zu Softwarepatenten oder zur Vorratsdatenspeicherung –, waren sie auch noch so gut durchdacht, begründet und basisdemokratisch beschlossen, krankten an politischer Folgenlosigkeit. Denn das Organisationsstatut der SPD ließ nur Anträge auf Bundesparteitagen zu, die von realen Ortsvereinen, Arbeitsgemeinschaften und Projektgruppen verabschiedet worden waren. 

Als der VOV 2002 einer Empfehlung des Europarats folgte und ein „Recht auf Information“ für alle Bürgerinnen und Bürger im Entwurf des Regierungsprogramms forderte, lehnte die Antragsprüfungskommission diesen Beschluss kurzerhand mit der Begründung „Der VOV ist nicht antragsberechtigt!“ ab. Es ist sicher nachvollziehbar, dass diese Ablehnung auf den Mailinglisten zu erheblichem Unmut führte. Im krassen Gegensatz dazu stand nämlich, dass sich der SPD-Parteivorstand öffentlich mit seiner digitalen Avantgarde schmückte („Die SPD ist die erste Partei in Deutschland, die einen virtuellen Ortsverein gegründet hat.“). Dies war der Auslöser im VOV, für die Anerkennung als Projektgruppe mit Antrags- und Rederecht zu kämpfen, weil wir politisch an Gesetzentwürfen, die unsere Kernkompetenz betrafen, mitwirken wollten. 

Diese Notwendigkeit sah der damalige Bundesgeschäftsführer der SPD, Franz-Josef Lerch-Mense, 2003 dagegen eher nicht. Ein Antragsrecht, das sich auf die Kernthemen des VOV beschränke, sei weder mit dem Organisationsstatut der SPD noch mit dem deutschen Parteiengesetz vereinbar, teilte er dem VOV-Vorstand mit. Ein für alle geltendes Antragsrecht zu allgemeinen politischen Themen empfinde der Parteivorstand dagegen als „zu weitreichend“. Lerch-Mense schlug vor, dass der VOV seine Anträge auf IT-Themen beschränke und diese direkt an das Büro des Bundesgeschäftsführers leite, damit der Parteivorstand Einblick in die inhaltliche Arbeit des Arbeitskreises erhalte. Aber nicht nur die stürmische „Rund-um-die-Uhr“-Debattenfreudigkeit des VOV wurde innerhalb der  etablierten Funktionärsgremien der Partei  als „suspekt“ bzw. „irritierend“ empfunden. Nicht wenige Parteifunktionäre hatten erhebliche „Bauchschmerzen“ hinsichtlich ihrer digitalen Genossen, da sich diese aufgrund ihrer Vernetzung zwischen allen bewährten Rechts-Links-Netzwerk-Strukturen bewegten.

In Anbetracht der Lage beschloss der VOV, die Frage „Antragsrecht ja oder nein“ vom Bundesparteitag im November 2003 in Bochum entscheiden zu lassen. Wir wollten eine rechtsverbindliche Anerkennung mit allen daraus resultierenden Rechten und Pflichten. Und kein – wenn auch sicher gut gemeintes – Wohlwollen von (wechselnden) Funktionären im Willy-Brandt-Haus. Mithilfe von Matthias Kollatz-Ahnen (heute Finanzsenator in Berlin) überwand der Antrag „Anerkennung des VOV (Virtueller Ortsverein) als Projektgruppe (A 264)“ die Klippen der Antragsprüfungskommission. Am 19. November 2003 stimmten die Delegierten dafür, den Status des VOV von einem Arbeitskreis in eine Projektgruppe umzuwandeln. Damit hatten wir die (für die Digitalen) größte innerparteiliche Hürde genommen. Der Rest sei wohl nur „reine Formsache“ – dachten wir.

Im Frühjahr 2004 wechselte mit Franz Müntefering als Parteivorsitzender auch der  Bundesgeschäftsführer im Willy-Brandt-Haus. Kajo Wasserhövel forderte uns umgehend auf, die Richtlinien des VOV ans Organisationsstatut der SPD anzupassen, um diese dann von der Kommission für Organisationspolitik verabschieden zu lassen. Die Zustimmung des PV sei „reine Formsache“. Leider sah das der Justiziar der SPD anders. Im Mai 2005 sollte das  Kapitel „Ordnungsmaßnahmen“ noch einmal überarbeitet werden. Bislang war es im VOV üblich, dass Störenfriede, die z. B. HateSpeech verbreiteten, durch die Moderation die Schreibrechte entzogen werden konnten. Solche Sanktionsmaßnahmen seien „spezifische Ordnungsmaßnahmen außerhalb der Parteigerichtsbarkeit“, dem könne die Partei nicht zustimmen, so der SPD-Jurist. Nur wie sollte der VOV, wo man ausschließlich schriftlich miteinander kommunizierte, mit dieser für uns unverständlichen Forderung umgehen? In einem realen Ortsverein konnte man renitenten Mitgliedern jederzeit das Rederecht entziehen, das entsprach im Virtuellen Ortsverein dem Entzug der Schreibrechte.  

Nach einem längeren Schriftwechsel wurde auch diese Hürde genommen, im November 2005 sollte der Parteivorstand den Bochumer Antrag endlich umsetzen. Doch stattdessen wurden dem VOV-Vorstand Sascha Boerger vom neuen Bundesgeschäftsführer Martin Gorholt (der mit dem neuen Parteivorsitzenden Matthias Platzeck ins Willy-Brandt-Haus gekommen war) weitere Wünsche (Wahlverfahren, Spenden, Gastmitglieder) übermittelt. Alle Punkte wurden, wie vom Parteivorstand gewünscht, in den Richtlinien geändert, und der VOV sah sich im Frühjahr 2006 auf der Zielgeraden. Insbesondere nachdem Kurt Beck, der als Parteivorsitzender auf den erkrankten Matthias Platzeck gefolgt war, die SPD öffentlich als „moderne Mitgliederpartei“, in die über 50 % aller Neumitglieder online eintreten, gepriesen hatte. Geplant wurde, das Mitgliedernetz „SPD.online“ zur Community-Plattform umzubauen und den VOV in diesem Zusammenhang zur Projektgruppe zu erheben. 

Aus unerfindlichen Gründen war ich skeptisch. Denn sowohl die SPD als auch die innerparteiliche Diskussionskultur hatten sich seit der Einführung der „Agenda 2010“ dramatisch verändert. Zwar wurde im VOV immer noch leidenschaftlich über Urheberrechtsfragen, Identitätsmissbrauch, Wahlcomputer, GEZ-Gebühren, Rotlicht-Domains, Jugendschutz, Informationsfreiheitsgesetz oder die Forderung nach Einsicht in das Vertragswerk des Maut-Konsortiums gestritten. Doch immer seltener behandelten die Debatten unser ureigenes Kernthema Digitalisierung. Die Mitgliedergewinnung begann zu stagnieren. Und auch an der Technologie des Virtuellen Ortsvereins nagte der Zahn der Zeit. Denn auf Mailinglisten zu schreiben erschien nach dem Aufkommen von  Facebook vielen jüngeren Genossinnen und Genossen schlicht und einfach unattraktiv.  

Im August 2006 schlug Martin Gorholt dann bei einem Treffen im Willy-Brandt-Haus recht unvermittelt vor, den VOV an die Medienkommission des Parteivorstands „anzubinden“. Außerdem sah er noch ein neues Problem beim Thema „Doppelmitgliedschaft“, also gleichzeitig Mitglied im realen Ortsverein und im VOV zu sein. Meinen Einwand, dass diese Problematik doch alle Mitglieder betreffe, die sich im Ortsverein und in Arbeitsgemeinschaften oder Projektgruppen engagierten, bejahte er. Trotzdem sollte der Justiziar seinen neuen Gedanken noch einmal zeitnah prüfen. 

Das reale Ende des Virtuellen Ortsvereins kam dann allerdings recht abrupt. Nachdem die Virtuelle Konferenz Anfang 2007 einen Antrag gegen den Einsatz von „Bundestrojanern“ verabschiedet hatte, sollte ich diesen Beschluss zum nächsten Bundesparteitag auf den Weg bringen. Auf meine wenig freundliche E-Mail an den Bundesgeschäftsführer, wie lange es diesmal mit der Entscheidung dauere, verbunden mit der provokanten Frage, wofür die SPD eigentlich neue Mitglieder gewinnen wolle, „wenn die nächste Generation, die jetzt eintreten soll, noch stärker IT-affin ist, als es der VOV je war“, teilte Martin Gorholt am 28. Februar 2007 dem VOV schlicht und analog per Brief mit, dass er „die bisher diskutierte Idee, den VOV zu einer Projektgruppe des Parteivorstandes zu machen“, für „keinen geeigneten Weg“ mehr halte. 

Rückblickend kann man sicher vieles besser machen bzw. einiges an diesem Verfahren kritisieren. Aber bis heute erscheint es mehr als befremdlich, dass ein Bundesgeschäftsführer einen demokratisch verfassten Beschluss eines Bundesparteitags „nach Gutsherrenart“ aushebeln kann. Das war rückblickend der Anfang vom Ende des Experiments „Virtueller Ortsverein“.  Am 5. September 2011 ging der VOV dann endgültig vom Netz, nachdem Maritta Strasser der SPD bzw. der Bundesgeschäftsführerin Astrid Klug die Domain www.vov.de übertragen hatte. 

Foto © Ralf Werner


Petra Tursky-Hartmann war ehrenamtliche Vorsitzende des Virtuellen Ortsvereins (VOV) sowie u.a. Referentin für elektronische Medien für den SPD-Parteivorstand und als parlamentarische Referentin für Medienpolitik,Internet und Öffentlichkeitsarbeit für die SPD-Fraktion im Hessischen Landtag tätig.

Sachsenhäuser Wochenblatt: Frankfurter Krimis in der Galerie „Brücke 54“ präsentiert


Sachsenhausen (ms) – Die Produzentengalerie „Brücke 54“, in der Brückenstraße 54, hat sich ganz Frankfurt verschrieben. Galerist Aroon Nagersheth arbeitet nur mit Frankfurter Künstlern zusammen. So kam ihm auch die Idee, Frankfurter Krimiautoren zu einer Lesung in seine Räume einzuladen. Unter dem Motto „Tannhäuser meets Bohlan“ lasen am Samstag, 20. Januar, Peter Tursky-Hartmann und Lutz Ullrich aus ihren neuesten Werken.




Samstag, Januar 20, 2018

Brücke54-Lesung "Tannhäuser trifft Bohlan - Herzblut trifft Krimiblut"


Lesung "Tannhäuser meets Bohlan"

Am 20. Januar 2018 trafen in der Sachsenhäuser Produzentengalerie Brücke54 Herzblut und Enthusiasmus auf Krimiblut und Lokalkolorit. Die beiden Frankfurter Krimi-Autoren Petra Tursky-Hartmann und Lutz Ullrich haben in den Räumen der Galerie in der Brückenstrasse 54 abwechselnd aus ihren aktuellen Frankfurt-Krimis vorgelesen.




Im Anschluss an die Lesung stellte der Galerist Aroon Nagersheth bei einem kleinen Rundgang unter dem Motto „Kunst von uns für alle!“ ausgewählte Werke der Galerie zum Thema Frankfurt vorstellen. Für Getränke und Brezeln war gesorgt.

Mehr Infos: https://www.facebook.com/bruecke54/ oder http://www.bruecke54.de

Petra Tursky-Hartmann (* 1960 in Bad Kreuznach) hat im Sommer 2017 ihren dritten Frankfurt-Krimi mit der taffen Kommissarin Edith Tannhäuser veröffentlicht. „Totengräbers Tochter“ (ISBN: 978-3-95542-218-9) ist wie „Darling“ (2009) und „Tod im Licht der Luminale“ (2012) im Frankfurter Societäts-Verlag erschienen. Mehr Infos: http://www.tursky-hartmann.de


Lutz Ullrich (*1969 in Frankfurt am Main) hat im Sommer 2017 seinen achten Frankfurt-Krimi „Klaa Pariser Blut“ (ISBN: 9783946247203) um den kauzigen Kommissar Tom Bohlan, der auf einem Hausboot in Frankfurt Höchst lebt, veröffentlicht. Seine Krimis sind im LASP- und im Röschen-Verlag erschienen. Mehr Infos: http://www.lutzullrich.de

Donnerstag, Januar 04, 2018

"Leiche im Gepäck" - Hessenschau.de


Von Nicole Bothof

"Die Geschichte, die Hanna Hartmann in ihrem dritten Frankfurt-Krimi entwirft, ist eigentlich ganz spannend. Sie ist auch gut und folgerichtig aufgebaut. Doch leider steckt sie voller Klischees und Fragwürdigkeiten. Zum Beispiel: Wie soll ein ausgewachsener Mann in eine Golftasche passen? Genauso stellt sich die Frage, warum die Flughafengegnerin Gertrud und ihre Freundinnen hysterische Tussis vom Frankfurter Nobelviertel Lerchesberg sein müssen, die nur rumkrakeelen und einander in aller Stutenbissigkeit das Leben schwer machen."

Hessenschau.de: "Leiche im Gepäck"

Mittwoch, Januar 03, 2018

Mein Ur-Ur Großvater war Maurer auf dem Kölner Dom

So, hier sind die Fotos von meinem Besuch im Kölner Dom, am Tag, als Burglind über Deutschland fegte und die Domplatte weiträumig wegen "Steinschlag" abgesperrt war (und somit auch der Südturm gesperrt war). Der Kölner Dom ist mit 157,38 Metern Höhe nach dem Ulmer Münster das zweithöchste Kirchengebäude Europas sowie das dritthöchste der Welt. Und wenn man davor steht, dann wirkt er doch sehr beeindruckend. Also wenn ihr die Zeit habt, es lohnt sich, mal hinzufahren. Schon spannend zu wissen, dass mein Ur-Ur-Opa als Maurer 1880 da mit gebaut hat.

Mein Ur-Großvater Peter Riedle ist nämlich 1881 in Köln-Ehrenfeld geboren, weil sein Vater, also mein Ur-Ur-Großvater Peter Riedle (1845 geboren) damals als Maurer auf dem Kölner Dom beschäftigt war (der auf Anweisung von Kaiser Wilhelm I. nach 400 Jahren endlich fertiggebaut werden sollte). Und deshalb ist Peter Riedle der II. (der Begründer unserer Riedle-Familien-Dynastie) in Köln - und nicht wie alle anderen - in Bad Kreuznach oder Roxheim oder Rüdesheim geboren.

In Köln-Ehrenfeld lebten bis Mitte des 19. Jahrhunderts offiziell nur 32 Menschen auf einigen Bauerngehöften. Aber durch Industrialisierung und Bevölkerungszuwachs brauchte Köln preiswerten Wohnraum, deshalb entstanden 1845 in Köln-Ehrenfeld die ersten Wohnhäuser an der Venloer Straße. 1863 wurde die "Katholische Volksschule" errichtet. Und in der Venloer Straße die St. Josephs Kirche - in der unser Ur-Opa (bzw. für Steffen und Hansjörg der Opa) Peter Wilhelm II 1881 katholisch getauft wurde - errichtet. Die Familie Riedle lebte zwischen 1878 und 1882 in Köln-Ehrenfeld in der Vogelsangerstraße 24. Ich habe im Internet nur ein Foto von 1980 gefunden, das zeigt, dass in die Vogelsangerstraße 24 eine Bäckerei eingezogen ist. Vor zwei Jahren wurde das Haus endgültig abgerissen, und ein modernes, viergeschossiges Haus (mit grünen Fenstereinfassungen) in der Baulücke hochgezogen. Spannend fand ich, dass quasi "um die Ecke", wo die Riedles lebten, damals ein 44 Meter hoher Leuchtturm der Helios AG errichtet wurde (übrigens der einzige Leuchtturm in Deutschland, der nicht am Meer steht). Die Helios AG war 1882 für elektrisches Licht und Telegraphenanlagenbau gegründet worden und war damals europaweit maßgeblich für die Elektrifizierung von Industrie und Verkehrstechnik im öffentlichem Raum im Geschäft. Aber durch wirtschaftliche Schwierigkeiten ist das Unternehmen 1905 von der Berliner Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft (AEG) übernommen worden. Erst 1996 hat sich die Stadt dem (fast verfallenen) Leuchtturm im Rahmen einer Rekonstruktion wieder angenommen und ihm ein neues Lampenhaus verpasst. Der Turm, der nie eine Funktion als Seezeichen hatte, leuchtet seitdem als Wahr- und Erinnerungszeichen einer untergegangenen Industrie über Köln-Ehrenfeld.

In der Vogelsanger Straße 100 produzierte 1874 übrigens auch Ferdinand Muelhens das weltberühmte "4711" (vielleicht hatten unsere Omas ja deshalb ein Faible für das Kölnische Wasser???) Es soll in der Straße - trotz Industrie - ja auch nach Tosca usw. geduftet haben. Aber die Kölner erzählen ja gerne Geschichten. Zum Beispiel die, dass "4711" so heißt, weil Napoleon 1795 verfügt hatte, dass alle Häuser in Köln Hausnummern bekommen sollten. Ein französischer Offizier habe dann, hoch zu Ross, die Hausnummer 4711 mit dem geschwungen umschriebenen No. (für frz. numéro) auf die Fassade des Hauses in der Glockengasse geschrieben (wo 4711 produziert wurde, bevor man mit dem Werk in die Vogelsangerstraße 100 nach Ehrenfeld umgezogen ist. Die Hallen stehen dort noch heute...).

Interessant fand ich im Kölner Dom den Schrein mit den Gebeinen der Heiligen Drei Könige (passt ja heute zum 6. Januar), die größte und künstlerisch bedeutendste Reliquie des Mittelalters. Der Kölner Erzbischof Rainald von Dassel hat die Gebeine der Heiligen Drei Könige 1164 von Mailand nach Köln gebracht, nachdem diese ihm Kaiser Friedrich I. aus seiner Kriegsbeute geschenkt hatte. Und da zu viele Pilger nach Köln in den alten Dom kamen, um den Schrein mit den Heiligen Drei Königen anzuschauen, begann man ab 1225 einen neuen Dom zu planen und auch zu bauen. Leider wurde er erst 1880, nach über 600 Jahren  vollendet, getreu den Plänen der Kölner Dombaumeister des Mittelalters von 1280. Also wenn noch mal einer wegen dem Berliner-Flughafen rummöppert, dann bitte mal kurz zum Kölner Dom zeigen, Dinge für die Ewigkeit dauern manchmal eben ein bisschen länger.

Künstlerisch spannend fand ich auch das Südquerhausfenster nach einem Entwurf von Gerhard Richter. Denn das erste, 1863 eingesetzte Fassadenfenster des Südquerhauses (das drei heilige Herrscher und drei heilige Bischöfe zeigte), war im Zweiten Weltkrieg völlig zerstört und 1948 durch eine farblose Ornamentverglasung ersetzt worden. Der Künstler hat 2007 die gesamte Fläche in 11.263 Quadrate von 9,6 cm Kantenlänge aus mundgeblasenem Echt-Antikglas in 72 verschiedenen Farbtönen aufgeteilt.
Mittels Zufallsgenerators hat Richter den Platz der farbigen Quadrate in den einzelnen Scheiben festgelegt. Allerdings soll Kardinal Meißner das Kunstwerk von Richter als "Lappenfenster" missbilligt haben.

Zum Abschluss habe ich im Dom für meinen Ur-Ur-Großvater eine Kerze entzündet. Weil er damals sicher unter horrenden Bedingungen (Stichwort Arbeitsschutz) daran mitgewerkelt hat, dass diese Kirche endlich fertig geworden ist. Und auf diese kleine Ameise unter den vielen Hundert Arbeitsameisen ist meine Familie heute noch stolz.